Soldatenreport: Was Bürger nicht für möglich halten

Lang lang war es still in diesem Sommer in Taiwan. So richtig Aufregendes ist in den letzten zwei Monaten eigentlich nicht passiert und selbst die beiden Sommer*loch*themen, nämlich das Loch im Bild und die Porno Easy Card haben es lästermäßig nicht in diesen Blog geschafft, da es für taiwanische Verhältnisse eigentlich noch recht normal ist (oder meine Reizschwelle einfach schon zu hoch liegt).

Den Vogel abgeschossen hat aber dafür das taiwanische Verteidigungsministerium, das in seinem neuesten Bericht über die militärische Stärke Chinas an den Legislativ-Yuan zu dem Schluss kommt, dass…

Achtung festhalten!

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Das chinesische Militär unter bestimmten Umständen eine Invasion Taiwans durchführen könnte!

OMFG

Die dazu nötigen Anlässe könnten sein:

  • eine Unabhängigkeitserklärung oder sonstige Unabhängigkeitsbestrebungen seitens Taiwans,
  • massive Bürgerunruhen,
  • der Erwerb von Nuklearwaffen,
  • oder ausländische Truppen, die in Taiwan stationiert werden.

Zudem könnten Verzögerungen bei den Verhandlungen zu einem friedlichen Zusammenschluss Taiwans und Chinas oder ausländischer Einfluss in Taiwans innere Angelegenheiten ebenfalls eine chinesische Invasion auf Taiwan auslösen.

Krass oder? Das klingt alles so offiziell, also wenn die Chinesen schlau wären, dann sollten die aus den Bedingungen mal ein Gesetz machen, damit das auch eine gewisse Außenwirkung erzielen könnte.

Wie, haben sie schon gemacht?! Im Jahr 2005?!

Und ich hab damals schon darüber geschrieben?

Scheinen wohl alle vergessen zu haben. Um so beruhigter bin ich allerdings, dass das taiwanische Verteidigungsministerium das taiwanische Parlament daran erinnert, dass Chinas Militär in den Krieg ziehen könnte. Könnte man auch sonst gar nicht darauf kommen, denn die hunderten auf Taiwan gerichteten Raketen sind ja auch eigentlich nur rein zufällig auf Taiwan gerichtet, weil China als Land auch so klein ist, dass es platzmäßig einfach keine andere Gelegenheit hat, den Krempel anderswo zu lagern. So oder so ähnlich sieht die Logik der taiwanischen Militärdenker vielleicht aus.

Obligatorisch, und das bereits seitdem ich mich das erste Mal mit dem Thema beschäftigt habe (ab 2001), sind bei jedem Bericht über Chinas Militär auch Zahlen über das Verteidigungsbudget, die zwar außerhalb Chinas niemand genau kennt, aber stetig irgendwo so zwischen x + 50% liegen, mit einer jährlichen Steigerung von mehr als 10% nebst jährlichen Meldungen sämtlicher Medien ob der „massiven Aufrüstung“ Chinas.

Focus Taiwan vollbringt dabei in der Meldung ein verblüffendes mathematisches Kunststück:

According to the MND report, China’s military spending has risen to 911.4 billion Chinese yuan (US$142.85 billion) in 2015, accounting for 1.34 percent of its GDP and marking a 10 percent increase year-on-year. The amount is the highest in Asia and the second-highest in the world, behind only the United States, it noted.

China’s real military spending would be twice or triple that amount, making up 4 percent of its GDP — on par with Russia and the United States — if hidden costs are included, the MND report said.

As a result of such huge spending, the imbalance in military strength across the strait has sharply widened while China has narrowed its difference with the U.S.

Ja, ich weiß. Ist auch für mich die 6. Stunde, aber jetzt noch mal ganz kurz Konzentration.

Die mehr oder weniger offiziellen Zahlen in Wikipedia über das Militärbudget in % des BIP sind für die USA 4,1%, für China 2,0% und für Taiwan 2,5%.

Aber die chinesischen Zahlen sind natürlich getürkt und mit einem türkischen Militär ist ja wirklich nicht zu spaßen…und die USA sind ja uns allen bekanntermaßen das Vorbild in Sachen Transpararenz, Offenheit und Ehrlichkeit….

Darum geht es aber im Prinzip gar nicht. Um was es geht, ist das bemerkenswerte Fazit, dass China mit in etwa demselben Militäretat in % des BIP wie die USA den Abstand zu den USA angeblich verringert und den Abstand zu Taiwan deutlich vergrößert hat. Letzteres stimmt sogar, aber ersteres ist einfach nur zahlentechnischer Bullshit. In absoluten Zahlen und auf die Anzahl der Soldaten gerechnet, geben die USA mehr als das 7-fache pro Soldat aus als die Chinesen.

Militärbudget in absoluten Zahlen / Anzahl der Soldaten

USA: 636.000.000.000 / 1.429.995 = 444.757

China: 143.900.000.000 / 2.300.000 = 62.565

Selbst bei der Annahme, dass das tatsächliche chinesische Militärbudget doppelt so hoch wie angegeben und das amerikanische gegen jedweden gesunden Menschenverstand tatsächlich wie offiziell angegeben sein sollte, ergäbe sich immer noch ein 3,5-fach so hoher Etat pro Soldat.

Nix is mit Verringerung des Abstandes, das einzige was sich verringert, ist die Vergrößerung des Abstands. Das ist genau so wie mit einer geringeren Schuldenaufnahme bis hin zu einer ominösen schwarzen Null: die Tatsache, dass ich weniger oder gar keine neuen Schulden aufnehme, bedeutet ja nicht, dass die Schulden an sich weniger werden, sondern nur, dass sie nicht noch oder weniger mehr werden. Oder für die Autofahrer: wenn ich 130 fahre und mich jemand mit 180 überholt und ich danach dann auch 180 fahre, dann wird mein Abstand zum Überholer zwar nicht mehr größer……kleiner aber auch nicht.

Gedankengänge wie diese sind Schreiberlingen von Focus Taiwan natürlich nicht zuzutrauen, aber um es an dieser Stelle in aller Deutlichkeit zu sagen: Natürlich ist die Entwicklung und die Bedrohung Taiwans mit größter Sorge zu sehen und natürlich ist die Gefahr ziemlich real. Die Geschichte militärischer Großmächte hat uns gelehrt, dass ein Krieg immer dann willkommen ist, wenn es wirtschaftlich im eigenen Land nicht mehr so gut läuft und die Bewohner deswegen unzufrieden sind. Und in Sachen Nationalstolz bleibt auf beiden Seiten der Taiwanstraße sowieso ziemlich oft der gesunde Menschenverstand auf der Strecke.

Aber gerade aufgrund dieses Pulverfasses muss man meiner Meinung nach vom nationalen Verteidigungsministerium und der nationalen Presseagentur doch etwas mehr als das Niveau und die Auffassungsgabe eines Erstklässlers verlangen.

Wobei ich hiermit bei allen Erstklässern Taiwans um Entschuldigung bitten möchte, denn jeder Erstklässler in Taiwan würde mit Sicherheit niemals ein Mädchen mit seinem Hubschrauber spielen lassen!!

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Wem ich in den Arsch krieche, entscheide immer noch ich!

Ziemlich langer Titel ich weiß, aber dafür um so passender. Eigentlich habe ich mir vorgenommen, mich so weit wie möglich vom taiwanischen Präsidentschaftswahlkampf zu distanzieren, aber manche Situationen schreien meiner Meinung nach förmlich nach meiner Meinung! 😉

Wie wir alle auf / gar / keinen / Fall / irgendwie / nicht / mitbekommen / konnten, weilt die DPP-Vorsitzende und Präsidentschaftskandidatin Tsai Ying-wen gerade zu einem Antrittsbesuch Besuch in den USA. Gestern traf sie dabei den stellvertretenden Außenminister der USA, Antony Blinken (nie gehört), in Washington D.C. und anders als bei ihrem letzten Besuch in den USA, rein zufälligerweise damals auch als Präsidentschaftskandidatin, netterweise diesmal direkt im Hauptgebäude des US-Außenministeriums, was sie zur allerersten PräsidentschaftskandidatIn Taiwans macht, die in in dieser Funktion jemals trotz offiziell nicht vorhandener diplomatischer Kontakte einen Fuß in das Harry S. Truman Building setzen durfte. Applaus! Wenn ich wüsste, wie man Wikipedia bedient, würde ich es jetzt zu ihrem Eintrag hinzufügen.

Darum geht es allerdings gar nicht, hatte ich eben nur nebenbei gelesen. Um was es eigentlich geht, ist ein Kommentar des chinesischen Botschafters in den USA. Dieser sieht den Besuch von Tsai den USA eher als eine Aktion, sich von den Amerikanern persönliche Anweisungen und den inoffiziellen Segen für die Präsidentschaft zu holen und wundert sich, warum sich Tsai mit „Ausländern“ über die Zukunft Taiwans unterhält, aber nicht mit den „Landsleuten“ auf der anderen Seite der Taiwanstraße. Tsai nämlich, müsse sich nicht dem Test der Amerikaner sondern zuerst dem der 1,3 Milliarden Chinesen stellen.

Autsch, böses Foul! Gelbe Karte und Elfmeter! Und zudem rhetorisch ziemlich ungeschickt. Wenn es nämlich etwas gibt, was DPP und KMT mehr hassen als sich gegenseitig, dann sind es irgendwelche chinesischen Offiziellen, die Taiwan mobben. So ein gemeinsamer Feind hat ja auch schon früher recht eigenartige Koalitionen hervorgebracht.

Tsai Ying-wens Antwort vor dem Harry S. Truman Building in Washington D.C. darauf war nun, dass sie ihre Qualifikationen in überhaupt gar keinem Land überprüfen lassen müsse und nur den 23 Millionen Taiwanern Rechenschaft abzulegen habe.

Öhh….Elfmeter verschossen. Entweder war ihr die Sicht behindert, weil sie sich nach der Dunkelheit im amerikanischen Rektum nicht schnell genug wieder an das Sonnenlicht gewöhnen konnte oder sie ist so naiv und meint das tatsächlich ernst. Es gibt halt Sachen, die sind so offensichtlich, dass jedwede andere Aussage eine Person der Lächerlichkeit preisgibt, aktuelle Beispiele sind ein gewisser Sepp Blatter (warum sollte gegen mich ermittelt werden?), eine gewisse Angela Merkel (nach bestem Wissen und Gewissen die Öffentlichkeit informiert) und nahezu sämtliche Zeugen im NSA-Untersuchungsausschuss (nur in nicht öffentlicher Sitzung!). Übrigens Danke Wikileaks!

Es ist doch eigentlich gar nicht so schwierig ohne großes Lavieren zuzugeben, dass man am langen Ärmel der USA hängt und die transpazifische Partnerschaft natürlich intensiv gepflegt werden muss, am besten halt durch Waffenkäufe und militärischen Austausch.

Und es ist doch auch eigentlich gar nicht so schwierig ohne großes Lavieren zuzugeben, dass man aus Sicht der USA darauf aus ist, lieber heute als morgen ein Handelsabkommen im Rahmen einer Trans-Pazifischen Partnerschaft (TPP) abzuschließen, bevor es Taiwan mit China tut. Die amerikanische Handelskammer in Taiwan machte in der Richtung erst gestern wieder mächtig Druck.

„The time is now, and we cannot wait anymore“

Und was noch hinzukommt ist dieses ständige Gesäusel von der Beibehaltung des status quo Taiwans im Falle eines DPP Wahlsieges, was kein Mensch versteht, weil es in dieser Form einfach widersprüchlich ist. Ich hab die Kritik daran von Seiten der KMT und aus China bislang für das typische Taiwanstraßentheater gehalten, habe aber nach Recherche einiger Artikel über das Thema auch nicht herausfinden können, was sie damit eigentlich meint. In der jetzigen Form ist es eine Nullphrase ohne wirklich Inhalte und Tsai Ying-wen kommt mir irgendwie immer mehr wie die Angela Merkel Taiwans vor. Die Hosenanzüge scheinen zumindest vom selben Schneider zu kommen….

Der vermeintliche Präsidentschaftskandidat Shih Ming-te sieht es ähnlich, vergleicht Tsai allerdings nicht mit Merkel, sondern mit Ma Ying-jeou. Der trägt zwar in der Öffentlichkeit keine Hosenanzüge (soweit ich weiß), redet aber ansonsten auch ziemlich viel inhaltsleeres Zeug.

Shih said that he simply did not trust Tsai, accusing her of having no core values.

Dem kann ich voll und ganz zustimmen und erneuere hiermit meine These, dass Tsai die Wahl nicht wegen ihrer starken Inhalte oder ihres Charismas gewinnen wird, sondern nur weil die Wähler etwas anderes als die KMT wollen. Nachdem sie 2010 bei den Bürgermeisterwahlen in Taipei County gegen Eric Chu verlor und 2012 bei den Präsidentschaftswahlen gegen Ma Ying-jeou muss und wird es jetzt halt mit Hilfe des Gegners klappen.

Die Amerikaner werden es sicherlich mit Genugtuung sehen, denn zu viel Annäherung an China schadet natürlich den eigenen Interessen. Und die 23 Millionen Taiwaner haben in dieser Sache nur eine Rolle: zuerst Tsai Ying-wen zur Präsidentin wählen und dann zusehen, für welche Inhalte sie eigentlich genau steht. Erinnert stark an das Verhalten mancher amerikanischer Polizisten, zuerst schießen, dann Fragen stellen….

Die 5 Phasen der Sinophilie

aus dem Archiv von Prof. Dr. Ha Ri Bo und Dr. Wang E. Rooge

Konfuzius Institut für Physiologie und Psychologie
in Miulun, China (Abkz.: KIPPMICH)

Thema: Beschreibung der einzelnen Phasen der Sinophilie, sowie Einführung der Unterarten Sinophilia germaniae und Sinophilia sinae

Einleitung: Die Sinophilie ist das in den letzten drei Jahrzehnten zunehmend verstärkt auftretendes Phänomen einer allgemeinen Begeisterung für und um den Großraum China. Umfangreiche Beobachtungen dieses Phänomens führten die Autoren zu einer detaillierten Differenzierung einzelner Sinophilie-Phasen, einschließlich möglicher Auswirkungen auf die jeweils direkt Betroffenen und ihre Umgebung. Mit der nachfolgenden Beschreibung wird erstmals eine Klassifizierung von Sinophilie-Betroffenen ermöglicht mit der Absicht, die Vorteile und Nachteile einer sinophilen Lebensweise einem breiten Publikum näher zu bringen.

Phase I: Faszination

Phase I der Sinophilie drückt sich in einem allgemein gesteigerten Interesse an der chinesischen Kultur aus.

Häufig auftretende Symptome sind:

  • Faszination über Bezeichnungen wie „Das Jahr des Drachen“, „Das Jahr des Tigers“ oder chinesische Namen wie „Schöne Perle“ und „Mutiger Krieger“.
  • Besondere Eifrigkeit beim Ansehen von Filmen wie z.B. „Hero“ und „House of Flying Daggers“ und Begeisterung für Jet Li und Tony Leung (vorwiegend bei weiblichen Betroffenen).
  • Einrichtung eines „chinesischen“ Zimmers, indem sich Tapete mit chinesischen Schriftzeichen und reichlich Bambus besorgt wird.
  • Auswendiglernen von chinesischen Lebensweisheiten.
  • Nähere Beschäftigung mit chinesischen Schriftzeichen und allgemein mit der traditionellen chinesischen Kultur.
  • Lesen von Büchern über China, auf Deutsch.
  • Aufsuchen eines Internetforums über China und Lesen aller Diskussionen, die etwas mit dem Leben in China zu tun haben.
  • Leises vor sich Hinkichern, nachdem man seine ersten Wörter auf Chinesisch, also nihao und xiexie, ausgesprochen hat.

Von der Außenwelt wird Phase I Sinophilie häufig als Schwärmerei für China umschrieben.

Tatsächlich kann davon ausgegangen werden, dass ein Teil von Phase I Sinophilie-Betroffenen nicht in die weitergehenden Phasen eintritt und das Chinainteresse daher auf Dauer ohne weitere Folgen bleibt. Durch fehlendes Datenmaterial kann der prozentuale Anteil dieser latenten Phase I Sinophilie-Betroffenen allerdings nicht näher bestimmt werden.

Phase II: Tatendrang

In Phase II haben die Symptome der Phase I dazu geführt, dass der Sinophilie-Betroffene einen gesteigerten Tatendrang hinsichtlich China und chinesischer Kultur verspürt. Häufigstes Symptom in Phase II ist die Absicht die chinesische Sprache in Wort und Schrift zu erlernen. In Internetforen über China wird nicht nur weiterhin passiv mitgelesen, sondern der Sinophilie-Betroffene meldet sich in entsprechenden Foren an und tauscht sich aktiv mit anderen über China aus. Die Erkenntnis, dass auch andere Menschen von Sinophilie betroffen sind, verstärkt den bereits ausgelösten Tatendrang noch weiter. In vielen Fällen wird in dieser Phase der Entschluss gefasst, den Ursprungsort der Sinophilie persönlich zu besuchen und zu erfahren, ja vielleicht dort längerfristig zu arbeiten oder zu studieren.

In der Folgezeit lassen sich zwei verschiedene Betroffenheitsbilder unterscheiden:

Bei der Sinophilia germaniae verbleibt der Betroffene für die allermeiste Zeit in seinem Heimatland und hat nur sporadisch direkten Kontakt zu China. Die Ursachen für diese Situation sind sehr vielfältig und bedürfen im Einzelfall einer gründlichen Untersuchung.

Bei der Sinophilia sinae verbringt der Betroffene die allermeiste Zeit in China und hat somit regelmäßig direkten Kontakt mit der chinesischen Lebensweise.

Sinophilia sinae Betroffene erreichen in der Regel eher Phase IV bzw. V, wohingegen Sinophilia germaniae Betroffene häufiger in Phase III verweilen. Die Gründe für diese unterschiedliche Verlaufsform der beiden Sinophilie-Arten sind derzeit Gegenstand intensiver Feldstudien, zu denen bislang allerdings noch keine signifikanten Ergebnisse vorliegen.

Ab dieser Phase muss die Sinophilie nach gegenwärtigen Erkenntnisstand zudem als nicht umkehrbar eingestuft werden. Spontanremissionen wurden zwar beobachtet, ließen sich bisher allerdings nicht in allen Einzelheiten nachvollziehen.

Phase III: Selektive Wahrnehmung

Phase III der Sinophilie zeichnet sich durch eine zunehmende selektive Wahrnehmung sämtlicher sinokritischer Aspekte aus. Zumeist werden als durchaus kritisch zu bewertende Fakten über den chinesischen Raum negiert, relativiert oder konterkariert. Dieses wird häufig von einem sprunghaften Anstieg von geschichtlichem Wissen begleitet. In schweren Fällen kann es zu einer Germanophobie und Mediaphobie kommen, sowie zu einer Abneigung gegenüber Spiegeln (Speculo aversio) und mangelndem Interesse sich mit dem Fokus gewisser Sachverhalte zu beschäftigen (Focus irreverensis).

Für die unmittelbare Umgebung ist es mitunter nicht immer leicht, Zugang zu einem Sinophilie Phase III Betroffenen zu erhalten. Auf jeden Fall sind viel Verständnis und Geduld nötig. Sowohl der Kommunikationsversuch mit einer vernünftigen als auch einer aggressiven Argumentationsmethode mit dem Betroffenen hat sich in den allermeisten Fällen als kontraproduktiv herausgestellt.

Obwohl statistisch nicht signifikant, scheinen Sinophilia germaniae Betroffene stärker von Phase III erfasst zu sein als Sinophilie sinae Betroffene. Eine stärkere Manifestation kann sich über einen Zeitraum von vielen Jahren zu einer chronischen Verlaufsform entwickeln, für die es bislang nur sehr wenige Ansätze einer Umkehr gibt. Insgesamt muss diese Phase der Sinophilie als die problematischste und schwierigste gesehen werden, da neben der individuellen Einstellung auch das eigene Umfeld direkt und indirekt betroffen ist, was oftmals zu einem großen Konfliktpotential führt.

Phase IV: Ernüchterung

Verstärkt beobachten lässt sich Phase IV bei Personen, die seit ein oder zwei Jahren als Sinophilia sinae Betroffene gelten. Die Realität vor Ort hat diese Personen in den meisten Fällen erreicht und als Reaktion des objektiven Vergleichs zwischen der Situation vor dem Auftritt der Sinophilie und der jetzigen Situation setzt häufig ein Gefühl der Ernüchterung ein. Die Stärke dieses Gefühls hängt signifikant stark von den Lebensbedingungen ab. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass der Einzelne sich in dieser Phase stärker am individuellen Schicksal orientiert als an dem einer ganzen Nation oder den Menschen einer bestimmten Region.

In Phase IV hinterfragt der Betroffene manchmal seine in Phase III gezeigten Verhaltensweisen, einhergehend mit der Erkenntnis, dass sie weder bei ihm persönlich, noch bei jemand anderem zu einem großflächigen Meinungsumschwung geführt haben. Man erkennt eine gewisse Sinnlosigkeit sich mit auf absehbarer Zeit unlösbaren Fragen zu beschäftigen und besinnt sich lieber auf das, was einem selbst am Besten nützt. Gewisse Rückfälle in alte Verhaltens- und Denkmuster sind aber in dieser Phase weiterhin möglich, vor allem wenn man weiterhin direkten Kontakt zu Phase III Betroffenen hat. Bei günstigem Verlauf nehmen diese Rückfälle aber mit der Zeit immer weiter ab, was schließlich zu Phase V der Sinophilie führt.

Phase V: Realität

Phase V kann als latente Manifestation der positiven Elemente aus Phase IV angesehen werden. Der Betroffene hat nicht nur gelernt sich seiner selektiven Wahrnehmung zu entziehen, er distanziert sich auch gegenüber solchen Verhaltensweisen Anderer. Im Normalfall haben Phase V Sinophilia sinae Betroffene durch jahrelanges Anpassungsverhalten eine gewisse, wenn auch nicht vollständige Immunität gegenüber der nicht zu unterschätzenden Germanophobie und Mediaphobie entwickelt. Durch das Ausschalten dieser negativen Begleiterscheinungen ist es dem Betroffenen möglich ein relativ normales Leben mit seiner Sinophilie zu führen.

In Phase V schließt sich gewissermaßen der Kreis, der mit Phase I begann, zu diesem Zeitpunkt allerdings mit einer weitaus differenzierteren Betrachtungsweise. Die persönliche Langzeiterfahrung vor Ort (> 3 Jahre) ist nach gegenwärtigem Kenntnisstand eine günstige Voraussetzung für das Erreichen dieser Phase, eine generelle Prognose kann daraus aber nicht abgeleitet werden.

Sinophilie Phase V Betroffene zeichnen sich häufig durch eine stabile und langfristige Lebensgrundlage in China aus. Diese umfasst sowohl den persönlichen als auch den beruflichen Bereich, sowie weitreichende Kenntnisse der lokalen Sprache und Kultur durch eigene, teilweise auch negative Erfahrungen.

Abschließend konnte allerdings nicht geklärt werden, ob und inwiefern sich im weiteren Verlauf der Sinophilie weitere Phasen abgrenzen lassen. Zu diesem Thema laufen zurzeit allerdings einige Langzeitstudien, deren Ergebnisse in den nächsten Jahren sicherlich einen näheren Aufschluss über diese Thematik ermöglichen.

Fazit: Die Autoren empfehlen, die gegenwärtige Beschreibung der einzelnen Phasen der Sinophilie als Anschauungsmaterial einem breiten Publikum zugänglich zu machen und sind für weitere Anregungen hinsichtlich dieses Themas jederzeit offen.

Danksagung: Die Autoren bedanken sich hiermit ganz herzlich beim Betreiber des Weblogs fan1yi4.wordpress.com (der rein zufällig auch der Betreiber des Weblogs taiwanoca.wordpress.com ist) für die freundliche Unterstützung beim Zusammenstellen und Veröffentlichen der hier präsentierten Forschungsergebnisse.

© KIPPMICH 2009