Deutsch unterrichten in Taiwan

Die meisten jungen Deutschen, die nach Taiwan kommen, werden früher oder später damit beginnen, Deutsch zu unterrichten…als ich nach Taiwan kam, zählte ich auch noch zur jungen Generation, haha 🙂 Die Vorteile liegen auf der Hand. Die eigene Muttersprache zu sprechen, ist nicht schwer, einen Platz zum Unterrichten zu finden, ist auch nicht schwer, und mit Facebook ist es heute überhaupt nicht mehr schwer, Studenten zu finden.

Ich möchte hier auch etwas klarstellen. Obwohl ich hier von „Deutsch unterrichten“, „Unterricht haben“ und „Studenten“ schreibe, finde ich, dass dieser Privatunterricht/Heimunterricht anders als der in der Deutschabteilung einer Universität oder an einer Sprachschule ist. Anders bedeutet in diesem Fall nicht professionell. Deutsche Muttersprachler können dir natürlich sagen, welche Formulierung richtig ist, aber viele können den Grund dafür nicht erklären. In Deutschland haben wir Deutsche natürlich auch Deutschunterricht in der Schule, aber wir lernen nicht so viel Grammatik (oder ich habe einfach alles vergessen…).

Wie dem auch sei, Muttersprachler lernen Deutsch nun einmal ganz anders als Ausländer. Wir müssen uns nicht merken, welches Nomen der, die, das verwendet, Adjektivendungen oder wann Akkusativ oder Dativ verwendet wird, weil wir es im Laufe des Wachsens auf natürlich Weise lernen. Aber fang jetzt bitte nicht an zu weinen! Denn Chinesisch zu lernen ist auch für Deutsche nicht einfach, es herrscht also ausgleichende Gerechtigkeit 😉 Als ich anfing, Deutsch zu unterrichten, habe ich auch damit angefangen, meine eigene Muttersprache wieder zu lernen, weil mich manche Fragen der Studenten wirklich sprachlos machten! Wenn mich Studenten als Lehrer anreden, macht mich das deshalb immer ein wenig verlegen, weil ich mich eher als Begleiter beim Deutsch lernen sehe.

Ich glaube, dass Heimunterricht nicht die beste Methode ist, um mit dem Deutsch lernen zu beginnen. Die beste Methode, um mit dem Deutsch lernen zu beginnen, ist meiner Meinung nach zusammen mit Mitschülern zu lernen, einen konkreten Plan und ein System zu haben (Lehrbuch und die Erfahrung des Deutschlehrers) und zudem regelmäßig zu lernen, ich finde am besten zwei Mal die Woche. Beim Heimunterricht ist das nicht immer so möglich. Wenn man sich an einer Sprachschule anmeldet, hat man auch gleich einen gewissen Druck… obwohl ich denke, dass Druck das falsche Wort ist… eher Motivation und Motivation ist meiner Meinung nach das Allerwichtigste, um eine Sprache zu lernen. Motivation und Druck hängen aber auch ein wenig miteinander zusammen, oder nicht?

Ist Heimunterricht also grundlegend nicht gut? Natürlich nicht! Ich finde, dass es auch sehr wichtig ist. Nicht gerade, wenn man anfängt Deutsch zu lernen, aber um Deutschstudenten/Deutschsprechenden dabei zu helfen, ihr Deutsch nicht zu vergessen.

Das ist nämlich ein großes Problem. Nach der Universität oder Rückkehr aus Deutschland gibt es in Taiwan wirklich nur sehr wenig Möglichkeiten, Deutsch zu sprechen. Diesen Unterricht mag ich am liebsten, weil er einfach freier und persönlicher ist. Ich finde, wenn man eine Fremdsprache lernt, kann man Lehrbücher nutzen, aber wenn man eine fremde Kultur lernen möchte, dann muss man unbedingt mit Ausländern sprechen. Eine Fremdsprache zu lernen, beinhaltet auch immer eine fremde Kultur zu lernen. Die Nutzung von Lehrbüchern im Unterricht und die Kommunikation mit Ausländern ist also gleichermaßen wichtig! Manchmal vermisse ich diese Zeit des Heimunterrichts, aber als deutscher Privatlehrer in Taiwan kann man keine Familie ernähren…

Um zum Ende zu kommen, wie sieht es also mit Deutsch unterrichten in Taiwan meiner Meinung nach aus? Ich bin sehr froh, dass das taiwanische Bildungsministerium vor ein paar Jahren beschlossen hat, den Deutschunterricht stärker zu fördern und Studenten damit eine einfache Möglichkeit zu geben, um herauszufinden, ob ihnen das Lernen der deutschen Sprache gefällt, und das vor dem Übergang in die Uni. Daneben sind deutsche Sprachschulen in Taiwan ebenfalls wichtig, der wichtigste Aspekt ist deren systematischer Ansatz. Zu guter Letzt, aber nicht weniger wichtig, zählt der Heimunterricht auch als eine der drei Säulen des Deutschunterrichts in Taiwan.

Ich weiß, dass Deutsch lernen in Taiwan manchmal zum Verrücktwerden ist, insbesondere wenn man auf einen unpassenden Lehrer trifft. Wir müssen uns aber auch alle im Klaren darüber sein, dass Deutsch in Taiwan nun mal nicht die populärste Fremdsprache ist. Deutschlehrer in Taiwan sind daher so ähnlich wie Edelsteine, selten und kostbar, und Deutschstudenten in Taiwan natürlich auch! 😉

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Kinder großziehen in Taiwan

Falls es einige noch nicht wissen sollten: Ich bin dieses Jahr im Juli Papa geworden 🙂 So eine große Veränderung im Leben hat natürlich auch einen Einfluss auf meine Sicht der Dinge. Ich erinnere mich, dass ich bereits etwas über Kinder in Taiwan geschrieben habe (gehen sehr spät schlafen, großer Druck in der Schule), aber ich habe noch nicht darüber nachgedacht, wo das Leben für Kinder eigentlich besser ist: in Taiwan oder in Deutschland?

Ich habe zwei deutsche Bekannte, die auch jeweils mit einer Taiwanerin verheiratet sind und letztes Jahr ein Kind bekommen haben. Beide haben sich kürzlich dazu entschieden Taiwan zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren, um ihren Kindern eine bessere Umgebung zu bieten. Wachsen Kinder in Taiwan also in einer feindseligen Umgebung auf? Liegt darin vielleicht der Grund an der superniedrigen Geburtenrate in Taiwan?

Wenn ich mir anschaue wie Taiwaner mit Kindern umgehen, dann habe ich nicht so einen negativen Eindruck. Obwohl ich am Verantwortungsgefühl der Taiwaner zweifle, muss ich wirklich sagen, dass Taiwaner sehr kinderlieb sind. Ich denke die Bezeichnung „kleiner Freund“ (Anm.: 小朋友 Synonym für Kinder bis ca. 12 Jahre) steht für eine Gesellschaft, in der Kinder willkommen sind. In Deutschland gibt es so eine Bezeichnung nicht… und anders als in Deutschland glaube ich auch, dass die allermeisten Taiwaner den Lärm und das Verhalten von Kindern tolerieren können.

Von der Seite betrachtet scheint Taiwan ein guter Ort für Kinder zu sein. Aber wir sollten hier zwei Sachen voneinander unterscheiden. Was ich oben erwähnt habe sind meiner Meinung nach „weiche Fakten“, nämlich ein Gefühl, das die Gesellschaft einem jeden vermittelt. Auf der anderen Seite gibt es „harte Fakten“, die wichtigen Dinge des Lebens, in Bezug auf Kinder wohl Geld, Bildung und Umgebung.

Wenn man Kinder großziehen möchte, kostet das Geld, das ist nun mal so. In Taiwan ist die Situation des Kindergeldes aber recht armselig. Wir haben einmalig einen Betrag von 10.000 NT (ca. 250 Euro) erhalten, das war alles. In Deutschland bekommt man für ein Kind monatlich ca. 7.500 NT (184 Euro), bis das Kind fertig studiert hat. Ich habe gehört, dass man in Taipeh monatlich auch Kindergeld beziehen kann, aber Taipeh ist nicht ganz Taiwan oder sind Kinder in Taipeh schlichtweg mehr wert als andere Kinder in Taiwan?

Ich weiß, dass sich diese Situation aufgrund der extrem niedrigen Geburtenrate in Taiwan wahrscheinlich bald ändern wird, aber egal ob Kindergeld oder Elterngeld, Taiwan wird wohl niemals den Stand Deutschlands erreichen (wollen?).

In Bezug auf Bildung: Ich habe hier bereits geschrieben, was ich vom taiwanischen Bildungssystem halte. Was mich angeht, so kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, meine Tochter in Taiwan zur Schule gehen zu lassen, den ganzen Tag zu lernen, den Druck des taiwanischen Bildungssystems auszusetzen und für dieses System auch noch Geld zu bezahlen!! Ich denke, die Bildungsfrage könnte ein Grund sein, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Das deutsche Bildungssystem zählt natürlich auch nicht zu den besten der Welt, aber in Deutschland können Kinder neben dem Lernen auch noch ihre Kindheit genießen.

Ein weiterer wichtiger „harter Fakt“ ist die Umgebung. Seien wir mal ehrlich, würdest du dich trauen, von der Eingangstür deines Hauses einen Kinderwagen zu schieben? Würdest du dich trauen, den Kinderwagen bis zum nächstgelegenen Spielplatz zu schieben? Fühlst du dich mit einem kleinen Kind auf Taiwans Straßen sicher? Natürlich…Menschen ohne Verantwortungsgefühl brauchen sich über so etwas keine Gedanken zu machen, aber ich werde niemals aufhören können mich über den Verkehr in Taiwan aufzuregen.

Wenn ich mir die obigen Probleme so anschaue, dann muss ich wirklich sagen, dass die Kinder (und Eltern) in Taiwan ein beschwerliches Leben haben. Taiwans Gesellschaft liebt sie, aber die Regierung scheint sie fast zu bestrafen. Die Regierung scheint nicht in der Lage zu sein, den Kindern das Leben zu erleichtern. Ich persönlich habe mich dazu entschlossen, von jetzt an jedes Jahr die oben erwähnten Punkte zu betrachten und zu überlegen, ob ich diese Defizite noch akzeptieren kann. Ich hoffe, dass Taiwan sehr schnell Lösungen für diese Probleme wird finden können, aber ich befürchte eher, dass Taiwan noch viele Jahre benötigen wird, um diese Sachen überhaupt zu verstehen.

Religion in Taiwan

Ich finde die religiöse Kultur macht einen der faszinierendsten Aspekte Taiwans aus. Ich weiß noch, als ich das erste Mal nach Taiwan gekommen bin, stand ich nicht einmal eine Stunde nach meiner Landung mit dem Flugzeug bereits staunend vor einem Tempel. Für Menschen aus dem Westen sind Tempel der Inbegriff der asiatischen Kultur und als ich wieder zurück in Deutschland war, erinnere ich mich noch daran, wie jeder auf meine Fotos von den Tempeln blickte und sagte „Wow, die sind wirklich wunderschön!“.

Tempel in Taiwan sind die religiösen Zentren der Gläubigen und die Stätte der Heiligen. Ich kann bis heute noch immer nicht genau zuordnen, was zum Buddhismus, was zum Daoismus, was zum traditionellen Volksglauben etc. gehört, weil es in Taiwan einfach alles gibt. Zudem scheint es an vielen Orten auch einen Mix verschiedener Glaubensrichtungen zu geben, so dass jeder Tempel seine ganz besonderen Eigenheiten hat. Ich finde die Tempel um einiges besser als die Kirchen in Deutschland. In Deutschlands Kirchen habe ich immer ein sehr „kaltes“ Gefühl, wahrscheinlich deshalb weil es dort wirklich immer ziemlich kalt ist 😉 Außerdem erinnere ich mich seit meiner Kindheit daran, dass die Kirche immer ein sehr sehr stiller Ort ist, außer dem Singen von Liedern und dem Gottesdienst ist es ansonsten immer so still wie die Zikaden im Winter, was mir irgendwie wenig einladend vorkommt.

Auf der anderen Seite finde ich die Tempel in Taiwan sehr viel einladender. Die Verzierungen und Dekorationen sehen im Vergleich zu einer Kirche viel besser aus, die Aktivitäten der Menschen sind sehr viel lebendiger und die Atmosphäre sehr viel entspannter. Ich habe lange überlegt, warum ich so einen vollkommen anderen Eindruck von Taiwans Tempeln im Vergleich zu Deutschlands Kirchen habe und denke, dass ich mittlerweile den Grund einigermaßen verstanden habe: In Taiwan gehört die Religion einfach noch zum Alltag dazu. Natürlich gehen die meisten Taiwaner auch nicht jeden Tag in den Tempel, um zu beten, aber der Glaube, speziell der traditionelle Volksglaube, ist überall zu finden. Für mich gehört zum traditionellen Volksglauben die Ahnenverehrung, die Götterverehrung, die Numerologie, traditionelle chinesische Medizin, Talismane usw. selbst das Essen hat manchmal mit dem traditionellen Volksglauben zu tun (z.B. Tangyuan, Zongzi, Mondkuchen).

Und dann gibt es noch den „Aberglauben“ über Geister. Ich persönlich glaube nicht an die Existenz von Geistern, aber in Taiwan habe ich gelernt, den Glauben anderer Menschen zu respektieren. Als ich nach Taiwan kam, habe ich stets über die Art von „Aberglauben“ vieler Taiwaner gelacht im Geistermonat z.B. nicht Schwimmen zu gehen. Aber mit der Zeit, und einem sich langsam einstellenden Verständnis der taiwanischen Mentalität, ist mir dann klar geworden, dass ich absolut nicht das Recht habe, mich über den Glauben anderer lustig zu machen, schließlich kann ich selbst weder die Existenz noch die Nichtexistenz von Geistern beweisen. Mittlerweile gehe ich zum Geisterfest mit meinen Kollegen in der Firma auch zum Beten, weil es in Taiwan einfach so üblich ist. Darüber hinaus hat sich der traditionelle Volksglaube sowieso schon nicht unwesentlich auf mein Leben ausgewirkt, so wurde z.B. mein Hochzeitstag durch den chinesischen Mondkalender bestimmt, der Tag meines Umzuges ebenfalls, im Geistermonat fahre ich wirklich nicht zum Schwimmen an den Strand (…weil meine Frau nicht will, haha) und zur Wintersonnenwende und zum Laternenfest möchte ich selbst jetzt auch immer Tangyuan essen und somit mein Bestes tun, um die Tradition zu bewahren 😉

Religion in Taiwan ist für mich in vielerlei Hinsicht faszinierend, interessant, aufregend und auch etwas merkwürdig. Ich weiß nicht, ob ich jemals die verschiedenen Glaubensrichtungen der Taiwaner vollständig werde verstehen können, aber ich weiß, dass es neben der Glaubensrichtung, die ich als Kind erlebt habe (das Christentum), auf der Welt noch viele andere Glaubensrichtungen gibt. Von der Religion in Taiwan ausgehend bin ich davon überzeugt, dass eine Vermischung von religiösen Glaubensrichtungen keine Gefahr für die Besonderheiten einer Kultur darstellt (was allerdings der Grund zahlreicher Kriege war und ist), sondern eher eine Kultur bereichern und die Ansichten der Menschen erweitern kann.

Produkte aus Taiwan – Still und leise auf dem Markt

Wenn Taiwaner hören, dass ich Deutscher bin, kommen sie neben Schweinshaxen und Bier sehr wahrscheinlich auch auf die Markennamen BMW, Mercedes-Benz, Porsche, Siemens usw. zu sprechen. Wenn ich an Markennamen aus Taiwan denke, z.B. an Acer oder Asus, finde ich, dass sie nicht ganz den Glanz der deutschen Markennamen besitzen, aber speziell im Elektronikbereich produziert Taiwan absolute Weltklasseprodukte.

In meiner Jugendzeit (jaja, jetzt bin ich vergleichsweise alt…) hatte ich sehr viel Interesse an Elektronikprodukten. In dieser Zeit begann sich der Markt für Computer und Computerzubehör gerade erst zu entwickeln, Computer wurden immer günstiger und tauchten auf dem Verbrauchermarkt auf. Wenn man auf das Mainboard im Inneren eines Computers schaute, konnte man sehr oft den Schriftzug Made in Taiwan lesen. Bis heute wissen viele Menschen nicht, dass eine Vielzahl von Mainboard-Komponenten von Unternehmen aus Taiwan hergestellt wird. Als ich in Taiwan mit der Arbeit als Übersetzer begann, kannte ich bereits einige taiwanische Elektronikhersteller, aber ich hätte nicht gedacht, dass es in Wirklichkeit so viele sind.

Vom Namen her dachte ich bei vielen Produkten, dass sie von amerikanischen Unternehmen stammten. Bis vor kurzem dachte ich z.B. dass Realtek (Soundkarten und Netzwerkkarten) und Mustek (Scanner) amerikanische Marken seien, aber wie so viele andere Hersteller von Computerzubehör auch, sind die beiden Unternehmen aus Taiwan.

Neben Computerhardware gibt es natürlich auch Markennamen im Softwarebereich. Jeder, der sich schon mal eine DVD am Computer angesehen hat, kennt sehr wahrscheinlich Produkte von Cyberlink, z.B. Power DVD, oder diejenigen, die sich um die Sicherheit im Internet Gedanken machen, kennen wahrscheinlich Produkte von Trend Micro (obwohl es offiziell ein japanisches Unternehmen ist, wurde es von Taiwanern gegründet), z.B. PC-cillin. Zusätzlich gibt es noch eine Vielzahl von kleineren Hardware- und Softwareherstellern. In jedem Bürohaus Taiwans lässt sich vermutlich mindestens einer von ihnen finden.

Bei Markennamen aus Taiwan neben der Elektronikindustrie fällt mir eigentlich nur Giant ein, wobei ich ursprünglich ebenfalls dachte, dass es ein amerikanisches Unternehmen sei, denn wo soll man bitte beim Namen „Giant“ erkennen, dass es sich dabei um ein Unternehmen aus Taiwan handelt? Ich denke, wenn es um den Bekanntheitsgrad von Marken geht, haben taiwanische Unternehmen ein gewisses Marketingproblem. Warum gibt es so viele Weltklasseprodukte, aber keine entsprechende Markenbekanntheit?

Ein Grund könnte sein, dass die Geschichte der in Taiwan bekannten deutschen Unternehmen im Vergleich zu den taiwanischen Unternehmen um einiges länger ist und sie damit natürlich auch mehr Zeit hatten, sich auf dem Markt zu etablieren. Zusätzlich muss man sagen, dass „Deutschland“ in den Ohren von Taiwanern wahrscheinlich eine andere Reaktion hervorruft als „Taiwan“ in den Ohren von Deutschen, anscheinend hat es auch etwas mit dem Ruf eines Landes zu tun. Und dabei ist es im Moment auch so, dass viele Deutsche nicht unbedingt gut auf taiwanische Unternehmen zu sprechen sind. Ich weiß nicht, ob sich Taiwaner noch daran erinnern können, dass BenQ im Jahr 2005 die Mobilfunksparte von Siemens übernommen hat, aber ungefähr ein Jahr später aufgrund zu hoher Verluste die Zahlung an die Mobilfunksparte einstellte und somit zum Bankrott des Unternehmens BenQ Mobile Deutschland und den Verlust vieler Arbeitsplätze führte. Als Folge daraus hat BenQ in Deutschland einen ganz schlechten Ruf und Marketingtechnisch ist diese Angelegenheit einfach eine Katastrophe.

Zum Schluss möchte ich noch etwas Interessantes erwähnen: Ich habe nämlich festgestellt, dass ich neuerdings wirklich Wert auf (Elektronik) Produkte aus Taiwan lege. Aktuell besitze ich einen Fernseher von Chimei, zwei Computerbildschirme von Chimei, einen Desktop-PC von Gigabyte, einen Desktop-PC von MSI, ein Notebook von Acer, ein Smartphone von HTC und das Allerwertvollste, eine taiwanische Ehefrau 😉

Pinyin und Pinyin ist nicht dasselbe

Ich habe in Hsinchuang (新莊) an der Fu Jen Universität (輔仁大學) Chinesisch studiert. Als ich noch in Deutschland war und meine Studienunterlagen nach Taiwan schicken musste, hatte ich natürlich noch keine Möglichkeit die Adresse auf Chinesisch zu schreiben, also habe ich die englische Adresse „Fu Jen University in Hsinchuang“ benutzt. Im Chinesischkurs an der Universität habe ich dann gelernt, dass das Schriftzeichen „仁“ im Lehrbuch als „ren“ umschrieben wird und nicht als „jen“ und musste zudem feststellen, dass die Busse, die von Taipeh nach Hsinchuang fuhren eben nicht nach Hsinchuang oder das im Kurs gelernte Xinzhuang fuhren, sondern die Schreibweise Sinjhuang oder Shinjuang verwendet wurde. Diese chaotische Pinyin-Schreibweise ist in Taiwan sehr häufig und gibt zum Teil eine absolut uneinheitliche Situation wieder.

Warum erwähne ich so etwas überhaupt hier? Weil ich Ausländer bin und lateinische Buchstaben für mich etwas sind, woran ich von klein auf gewöhnt bin. Obwohl ich mittlerweile chinesische Schriftzeichen verstehen kann, bevorzuge ich bei der Auswahl zwischen chinesischen Schriftzeichen und lateinischen Buchstaben die letzteren. Aber in Taiwan tragen die lateinischen Buchstaben nicht unbedingt zu einem besseren Verständnis der Ausländer bei. Taiwaner werden jetzt vielleicht denken, dass sich Ausländer, die nach Taiwan kommen, doch bitte an den taiwanischen Lebensstil und die Kultur anpassen sollten, aber wenn es so sein sollte, dann verstehe ich nicht, worum an so vielen Stellen die Pinyin-Schreibweise verwendet wird. Zudem habe ich im Chinesischkurs Zhuyin Fuhao (BoPoMoFo) gelernt, kann es aber auf den Straßen in Taiwan nirgends entdecken.

Warum ist die ganze Sache in Taiwan so kompliziert? Natürlich weiß ich, dass hier auch wieder politische Motive eine Rolle spielen, aber anders als beim Thema traditionelle und vereinfachte Schriftzeichen geht es meiner Meinung nach bei Pinyin nicht um ein kulturelles Vermächtnis. Ich kann absolut verstehen, dass die taiwanische Bevölkerung kein Schriftsystem benutzen möchte, das auf dem Festland entwickelt wurde, aber sich nicht für eine alternative Schreibweise entscheiden zu können ist auch vergebene Lebensmüh. Die Volksrepublik China hat 1957 Hanyu Pinyin eingeführt und es seither im Wesentlichen nicht verändert. Neben Zhuyin Fuhao (BoPoMoFo) hat Taiwan lange Zeit das im 19. Jahrhundert in England entwickelte Wade-Giles System (z.B. Hsinchuang) verwendet. Von 1986 an MPS II (z.B. Shinjuang). Vom Jahr 2000 an Tongyong Pinyin (z.B. Sinjhuang) und von 2009 an Hanyu Pinyin (z.B. Xinzhuang), was dazu führt, dass „新莊“ und „ㄒㄧㄣㄓㄨㄤ“ und „Hsinchuang“ und „Shinjuang“ und „Sinjhuang“ und „Xinzhuang“ alles ein- und denselben Namen wiedergibt. Wow, alle mal bitte klatschen!

Das Merkwürdige ist: „Practical Audio-Visual Chinese“ ist das Standardbuch für Ausländer, die in Taiwan Chinesisch lernen wollen (Ich kenne keinen Ausländer in Taiwan, der dieses Buch nicht für das Chinesischstudium gelesen hat), aber im oben erwähnten Lehrbuch wird neben traditionellen Schriftzeichen, BoPoMoFo und Englisch, Hanyu Pinyin als lateinische Umschrift verwendet. Als ich 2004 angefangen habe Chinesisch zu lernen, hat es in Taiwan aber noch niemand verwendet. Zudem sind viele Taiwaner allein aufgrund der Aussprache nicht in der Lage, Ortsnamen in Taiwan in lateinischen Buchstaben zu schreiben, da sie in der Schule BoPoMoFo gelernt haben. Ich finde, dass dieser Zustand Taiwan im Zeitalter der Globalisierung nicht gerecht wird und lässt mich irgendwie unschlüssig, ob ich darüber jetzt lachen oder weinen soll.

Pinyin zu lernen ist gar nicht so schwer. Als ich das erste Mal BoPoMoFo gesehen habe, dachte ich auch, dass es sehr schwer sein würde, aber nach fünf Tagen konnte ich es bereits problemlos schreiben, genauso wie kleine Kinder in Taiwan 😉 Eine standardisierte Pinyin-Schreibweise ist kein Zeichen einer bevorstehenden Vereinigung mit dem Festland, sondern der Ausdruck, die Bedürfnisse von Ausländern in Taiwan sowie die Absicht mit dem Ausland zu kommunizieren zu verstehen.

Weitere Info: Romanization of Chinese in the Republic of China (Englisch) & Pinyin Vergleichstabelle

Ist Taipeh eine Weltstadt?

Taipeh ist die Heimat einer der größten Wolkenkratzer der Welt, sowie Ausrichter einer der weltweit wichtigsten Computermessen. Außerdem gibt es auf den Straßen von Taipeh anscheinend immer mehr Ausländer. Irgendwie hat es den Anschein, dass Taipeh eine richtige Weltstadt ist. Aber denkt ihr, dass Taipeh wirklich mit New York, London, Hong Kong, Beijing usw. mithalten kann?

Wenn ich mir so durchlese, was Taipeh alles zu bieten hat, dann kann man denken, wow, was für eine coole Stadt!! Aber ich, der jeden Tag nach Taipeh zur Arbeit fährt, hat irgendwie nicht dieses Gefühl. Wahrscheinlich weil ich kein Tourist bin und die meisten Sachen, die ich jeden Tag in Taipeh erledige, ganz gewöhnliche Sachen sind. Zudem bin ich damals vor 8 Jahren, als ich das erste Mal in Taiwan war, auch nur einen Tag in Taipeh gewesen. Aber als ich früher in Paris und Hong Kong war, hätte ich einen Tag für viel zu kurz gehalten. Der offensichtlichste Grund ist einfach, dass diese Städte um einiges größer als Taipeh sind.

Was sind eigentlich die speziellen Merkmale einer Weltstadt? Aus einer eher wissenschaftlichen Perspektive besitzt eine Weltstadt eine umfassende politische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung. Aus politischer Sicht sind die weltweit bedeutendsten Städte Washington, London, Paris, Moskau und Beijing….halt alles andere als Taipeh. Aus wirtschaftlicher Sicht hat Taipeh sicherlich eine gewisse Bedeutung, zwar nicht unbedingt weltweit, aber bestimmt für Asien. Und dann noch der kulturelle Aspekt….hm, da muss ich jetzt wohl etwas vorsichtiger formulieren….aber ich meine hiermit die kulturelle Bedeutung einer Weltstadt und wer glaubt bitteschön, dass Taipeh eine ähnliche Bedeutung wie Rom, Madrid, Paris, London oder New York hat?

Eine andere Sichtweise ist das Vorhandensein von weltbekannten Sehenswürdigkeiten. Na, dann wollen wir mal vergleichen: In New York gibt es die Freiheitsstatue und das Empire State Building, in Paris gibt es den Eiffelturm und den Triumphbogen, in London gibt es den Buckingham Palace und die Tower Bridge, in Beijing gibt es die Verbotene Stadt, in Taipeh gibt es…..was wollen wir nehmen? Die Chiang Kai-Shek Gedächtnishalle, die Sun Yat-Sen Gedächtnishalle, der Longshan Tempel, das Palastmuseum oder doch lieber Taipei 101? Ich vermute, dass die Stadtverwaltung von Taipeh mit Sicherheit Taipei 101 auswählen würde, weil es auf vielen Infobroschüren über Taipeh heißt: Taipei 101 ist das Wahrzeichen von Taipeh. Stimmt ja auch, Taipei 101 hat Taipeh richtig bekannt gemacht, aber wenn ich mir jetzt den Taipei 101 so anschaue, habe ich verschiedene Gedanken: Auf der einen Seite denke ich, dass er architektonisch wie technisch eine wahre Meisterleistung ist und auf der anderen Seite denke ich, dass Taipei 101 überhaupt nicht zu Taipeh passt. Wenn man aus der Ferne auf Taipeh blickt, sieht man nur Taipei 101 und daneben einfach nichts, wie ein Männlein, das ganz allein im Walde steht. Ich sollte dagegen wohl besser nicht schreiben, wie es in New York, Hong Kong, Shanghai und Beijing aussieht, oder?

Außerdem ist auch das Gefühl auf der Straße in Taipeh anders als in anderen Städten. Als ich in Paris, Berlin, Hong Kong und Miami auf der Straße gegangen bin, habe ich mich wirklich cool gefühlt, haha!!! In Taipeh habe ich absolut nicht dieses Gefühl, sehr wahrscheinlich natürlich deswegen, weil ich schon seit sechs Jahren hier wohne und längst nicht mehr die Eindrücke eines Touristen teile. Und wo ich schon mal bei Touristen bin, die sind in Taipeh im Vergleich zu Hong Kong, Paris, London und New York auch um einiges weniger, folglich kommt da auch nicht das Gefühl einer Weltstadt auf.

Na, ich hoffe, dass Herr Hao Long-Bin (der amtierende Bürgermeister von Taipeh) jetzt nicht auf mich schimpfen wird, aber mein Fazit ist: Taipeh ist keine Weltstadt. Taipeh ist eine asiatische Metropole und natürlich das politische und wirtschaftliche Zentrum von Taiwan. Zudem denke ich, dass Taipeh gerade richtig ist, nicht zu groß und nicht zu klein, eine gute Mischung aus Traditionellem und Modernem. Wenn man die Gelegenheit hat, nach Taipeh zu reisen, dann wird sich das mit Sicherheit lohnen. Wenn man aus New York, London, Paris, Beijing und Taipeh auswählen könnte, na dann wohl nicht.

Mangelt es Taiwanern an Verantwortungsgefühl?

Meine Mutter hat mir beigebracht „Bei Rot nicht über die Straße gehen!“. Entweder haben Mütter in Taiwan vergessen dieses ihren Kindern beizubringen oder die Kinder haben es vergessen, nachdem sie erwachsen geworden sind. Ohne zu schauen über die Straße zu laufen ist allerdings nicht das einzige, was ich beobachten kann und zusammen mit anderen Sachen frage ich mich wirklich, ob es Taiwanern nicht vielleicht an Verantwortungsgefühl mangelt.

Ich sollte hier zunächst wohl erst mal klarstellen, dass sich die von mir beobachteten Situation größtenteils in Taipei abspielen; wenn also in diesem Artikel von „Taiwanern“ die Rede ist, meine ich damit voraussichtlich „Taipeier“, weil ich auch irgendwie nicht hoffen möchte, dass alle Taiwaner so sind. Ich hatte eben zu Anfang Leute erwähnt, die bei Rot über die Straße laufen. Manche Leser werden jetzt wahrscheinlich denken, dass meine Ansicht ziemlich lächerlich ist oder ich einfach nur ein Meckerfritze bin, aber so ist es nicht! Wenn ich es eilig habe, dann achte ich nicht auf rote Ampeln, aber was ich jeden Tag sehe ist eben nicht so. Die Minquan Road in Taipei hat sehr viele Seitenstraßen mit großen und kleinen Kreuzungen und speziell bei den kleinen Kreuzungen achten viele Menschen überhaupt nicht auf rote Ampeln. Ich finde es ganz okay, wenn auf der Straße absolut keine Autos sind, aber Fußgänger zwingen Autofahrer manchmal zu bremsen, weil sie über die Straße laufen und das ist nicht okay. Ich beschwere mich ja oft darüber, dass Autofahrer sich nicht an rote Ampeln halten, also muss ich mich auch darüber beschweren, dass Fußgänger sich nicht an rote Ampeln halten, ist doch eigentlich nur fair, oder? Das Fazit ist, dass ohne auf rote Ampeln zu achten über die Straße zu laufen zu gefährlichen Situationen führen kann…warum eigentlich wegen 30 Sekunden Zeitersparnis andere in Bedrängnis bringen? Ist die eigene Sicherheit sowas von nutzlos?

Ich finde…wenn sich Erwachsene selbst in Gefahr bringen, dann ist das ihre Sache, aber ich möchte noch ein weiteres Beispiel für verantwortungsloses Verhalten geben: Viele Ausländer machen gerne Fotos wie diese hier. Als ich zum ersten Mal eine komplette Familie gesehen habe, die auf einem Motorroller fährt, fand ich das auch sehr lustig, im Nachhinein denke ich mir: Ist den Eltern die Sicherheit ihrer Kinder eigentlich vollkommen egal??? Einige Freunde erklärten mir, dass Motorroller im Vergleich zu Autos für viele Taiwaner die bessere Wahl sind, weil sie billiger und flexibler sind, es damit keine Parkplatzprobleme gibt usw. Das stimmt ja auch, für Erwachsene stimmt das, für Schulkinder bin ich mir schon nicht mehr sicher und für Babys ist es natürlich absolut nicht okay!! Ich sehe doch aber tatsächlich mehrere Male pro Woche Mütter mit kleinen Babys auf dem Arm, die mit dem Vater auf dem Motorroller fahren und jedes Mal, wenn ich so etwas sehe, denke ich: Die haben total einen an der Klatsche! Es tut mir leid, aber für solche Leute habe ich absolut kein Verständnis. Ich bemitleide wirklich die Kinder, die solche Eltern haben. Ich hoffe, dass solche Eltern bestraft werden und ihnen kleine Kinder nach Verkehrsunfällen gezeigt werden…..dass Erwachsene für sich selbst kein Verantwortungsgefühl haben, ist mir ziemlich egal, aber dass Erwachsene für ihre Kinder kein Verantwortungsgefühl haben, ist einfach nur kriminell.

Die letzte Sache ist verglichen mit der vorigen weniger ernst, aber ich denke auch sehr seltsam: Auf den Straßen von Taipei sehe ich jeden Abend wenigstens ein Auto, das komplett ohne Licht fährt. Warum denn das? Ich glaube nicht, dass die Autofahrer einfach vergessen das Licht einzuschalten, denn wenn man abends nicht das Licht einschaltet, kann man auch den Tacho nicht sehen, das ist eigentlich ziemlich offensichtlich. Ich könnte es verstehen, wenn ich so etwas ein Mal im Monat sehe, aber jeden Tag?? Was ist der Grund dafür? Sind solche Autofahrer einfach nur zu blöd oder inkompetent?

Ich weiß es nicht, aber anhand dieser drei Beispiele mache ich mir wirklich Sorgen über die Sicherheit der Taiwaner auf der Straße. Mangelndes Verantwortungsgefühl gepaart mit Dummheit führt sehr wahrscheinlich ins Unglück. Ich glaube Schutzengel in Taiwan sind bestimmt sehr beschäftigt, ich würde mich persönlich daher nicht vollständig auf ihren Schutz verlassen. Und ihr?