Wem ich in den Arsch krieche, entscheide immer noch ich!

Ziemlich langer Titel ich weiß, aber dafür um so passender. Eigentlich habe ich mir vorgenommen, mich so weit wie möglich vom taiwanischen Präsidentschaftswahlkampf zu distanzieren, aber manche Situationen schreien meiner Meinung nach förmlich nach meiner Meinung!😉

Wie wir alle auf / gar / keinen / Fall / irgendwie / nicht / mitbekommen / konnten, weilt die DPP-Vorsitzende und Präsidentschaftskandidatin Tsai Ying-wen gerade zu einem Antrittsbesuch Besuch in den USA. Gestern traf sie dabei den stellvertretenden Außenminister der USA, Antony Blinken (nie gehört), in Washington D.C. und anders als bei ihrem letzten Besuch in den USA, rein zufälligerweise damals auch als Präsidentschaftskandidatin, netterweise diesmal direkt im Hauptgebäude des US-Außenministeriums, was sie zur allerersten PräsidentschaftskandidatIn Taiwans macht, die in in dieser Funktion jemals trotz offiziell nicht vorhandener diplomatischer Kontakte einen Fuß in das Harry S. Truman Building setzen durfte. Applaus! Wenn ich wüsste, wie man Wikipedia bedient, würde ich es jetzt zu ihrem Eintrag hinzufügen.

Darum geht es allerdings gar nicht, hatte ich eben nur nebenbei gelesen. Um was es eigentlich geht, ist ein Kommentar des chinesischen Botschafters in den USA. Dieser sieht den Besuch von Tsai den USA eher als eine Aktion, sich von den Amerikanern persönliche Anweisungen und den inoffiziellen Segen für die Präsidentschaft zu holen und wundert sich, warum sich Tsai mit „Ausländern“ über die Zukunft Taiwans unterhält, aber nicht mit den „Landsleuten“ auf der anderen Seite der Taiwanstraße. Tsai nämlich, müsse sich nicht dem Test der Amerikaner sondern zuerst dem der 1,3 Milliarden Chinesen stellen.

Autsch, böses Foul! Gelbe Karte und Elfmeter! Und zudem rhetorisch ziemlich ungeschickt. Wenn es nämlich etwas gibt, was DPP und KMT mehr hassen als sich gegenseitig, dann sind es irgendwelche chinesischen Offiziellen, die Taiwan mobben. So ein gemeinsamer Feind hat ja auch schon früher recht eigenartige Koalitionen hervorgebracht.

Tsai Ying-wens Antwort vor dem Harry S. Truman Building in Washington D.C. darauf war nun, dass sie ihre Qualifikationen in überhaupt gar keinem Land überprüfen lassen müsse und nur den 23 Millionen Taiwanern Rechenschaft abzulegen habe.

Öhh….Elfmeter verschossen. Entweder war ihr die Sicht behindert, weil sie sich nach der Dunkelheit im amerikanischen Rektum nicht schnell genug wieder an das Sonnenlicht gewöhnen konnte oder sie ist so naiv und meint das tatsächlich ernst. Es gibt halt Sachen, die sind so offensichtlich, dass jedwede andere Aussage eine Person der Lächerlichkeit preisgibt, aktuelle Beispiele sind ein gewisser Sepp Blatter (warum sollte gegen mich ermittelt werden?), eine gewisse Angela Merkel (nach bestem Wissen und Gewissen die Öffentlichkeit informiert) und nahezu sämtliche Zeugen im NSA-Untersuchungsausschuss (nur in nicht öffentlicher Sitzung!). Übrigens Danke Wikileaks!

Es ist doch eigentlich gar nicht so schwierig ohne großes Lavieren zuzugeben, dass man am langen Ärmel der USA hängt und die transpazifische Partnerschaft natürlich intensiv gepflegt werden muss, am besten halt durch Waffenkäufe und militärischen Austausch.

Und es ist doch auch eigentlich gar nicht so schwierig ohne großes Lavieren zuzugeben, dass man aus Sicht der USA darauf aus ist, lieber heute als morgen ein Handelsabkommen im Rahmen einer Trans-Pazifischen Partnerschaft (TPP) abzuschließen, bevor es Taiwan mit China tut. Die amerikanische Handelskammer in Taiwan machte in der Richtung erst gestern wieder mächtig Druck.

„The time is now, and we cannot wait anymore“

Und was noch hinzukommt ist dieses ständige Gesäusel von der Beibehaltung des status quo Taiwans im Falle eines DPP Wahlsieges, was kein Mensch versteht, weil es in dieser Form einfach widersprüchlich ist. Ich hab die Kritik daran von Seiten der KMT und aus China bislang für das typische Taiwanstraßentheater gehalten, habe aber nach Recherche einiger Artikel über das Thema auch nicht herausfinden können, was sie damit eigentlich meint. In der jetzigen Form ist es eine Nullphrase ohne wirklich Inhalte und Tsai Ying-wen kommt mir irgendwie immer mehr wie die Angela Merkel Taiwans vor. Die Hosenanzüge scheinen zumindest vom selben Schneider zu kommen….

Der vermeintliche Präsidentschaftskandidat Shih Ming-te sieht es ähnlich, vergleicht Tsai allerdings nicht mit Merkel, sondern mit Ma Ying-jeou. Der trägt zwar in der Öffentlichkeit keine Hosenanzüge (soweit ich weiß), redet aber ansonsten auch ziemlich viel inhaltsleeres Zeug.

Shih said that he simply did not trust Tsai, accusing her of having no core values.

Dem kann ich voll und ganz zustimmen und erneuere hiermit meine These, dass Tsai die Wahl nicht wegen ihrer starken Inhalte oder ihres Charismas gewinnen wird, sondern nur weil die Wähler etwas anderes als die KMT wollen. Nachdem sie 2010 bei den Bürgermeisterwahlen in Taipei County gegen Eric Chu verlor und 2012 bei den Präsidentschaftswahlen gegen Ma Ying-jeou muss und wird es jetzt halt mit Hilfe des Gegners klappen.

Die Amerikaner werden es sicherlich mit Genugtuung sehen, denn zu viel Annäherung an China schadet natürlich den eigenen Interessen. Und die 23 Millionen Taiwaner haben in dieser Sache nur eine Rolle: zuerst Tsai Ying-wen zur Präsidentin wählen und dann zusehen, für welche Inhalte sie eigentlich genau steht. Erinnert stark an das Verhalten mancher amerikanischer Polizisten, zuerst schießen, dann Fragen stellen….

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