Die 5 Phasen der Sinophilie

aus dem Archiv von Prof. Dr. Ha Ri Bo und Dr. Wang E. Rooge

Konfuzius Institut für Physiologie und Psychologie
in Miulun, China (Abkz.: KIPPMICH)

Thema: Beschreibung der einzelnen Phasen der Sinophilie, sowie Einführung der Unterarten Sinophilia germaniae und Sinophilia sinae

Einleitung: Die Sinophilie ist das in den letzten drei Jahrzehnten zunehmend verstärkt auftretendes Phänomen einer allgemeinen Begeisterung für und um den Großraum China. Umfangreiche Beobachtungen dieses Phänomens führten die Autoren zu einer detaillierten Differenzierung einzelner Sinophilie-Phasen, einschließlich möglicher Auswirkungen auf die jeweils direkt Betroffenen und ihre Umgebung. Mit der nachfolgenden Beschreibung wird erstmals eine Klassifizierung von Sinophilie-Betroffenen ermöglicht mit der Absicht, die Vorteile und Nachteile einer sinophilen Lebensweise einem breiten Publikum näher zu bringen.

Phase I: Faszination

Phase I der Sinophilie drückt sich in einem allgemein gesteigerten Interesse an der chinesischen Kultur aus.

Häufig auftretende Symptome sind:

  • Faszination über Bezeichnungen wie „Das Jahr des Drachen“, „Das Jahr des Tigers“ oder chinesische Namen wie „Schöne Perle“ und „Mutiger Krieger“.
  • Besondere Eifrigkeit beim Ansehen von Filmen wie z.B. „Hero“ und „House of Flying Daggers“ und Begeisterung für Jet Li und Tony Leung (vorwiegend bei weiblichen Betroffenen).
  • Einrichtung eines „chinesischen“ Zimmers, indem sich Tapete mit chinesischen Schriftzeichen und reichlich Bambus besorgt wird.
  • Auswendiglernen von chinesischen Lebensweisheiten.
  • Nähere Beschäftigung mit chinesischen Schriftzeichen und allgemein mit der traditionellen chinesischen Kultur.
  • Lesen von Büchern über China, auf Deutsch.
  • Aufsuchen eines Internetforums über China und Lesen aller Diskussionen, die etwas mit dem Leben in China zu tun haben.
  • Leises vor sich Hinkichern, nachdem man seine ersten Wörter auf Chinesisch, also nihao und xiexie, ausgesprochen hat.

Von der Außenwelt wird Phase I Sinophilie häufig als Schwärmerei für China umschrieben.

Tatsächlich kann davon ausgegangen werden, dass ein Teil von Phase I Sinophilie-Betroffenen nicht in die weitergehenden Phasen eintritt und das Chinainteresse daher auf Dauer ohne weitere Folgen bleibt. Durch fehlendes Datenmaterial kann der prozentuale Anteil dieser latenten Phase I Sinophilie-Betroffenen allerdings nicht näher bestimmt werden.

Phase II: Tatendrang

In Phase II haben die Symptome der Phase I dazu geführt, dass der Sinophilie-Betroffene einen gesteigerten Tatendrang hinsichtlich China und chinesischer Kultur verspürt. Häufigstes Symptom in Phase II ist die Absicht die chinesische Sprache in Wort und Schrift zu erlernen. In Internetforen über China wird nicht nur weiterhin passiv mitgelesen, sondern der Sinophilie-Betroffene meldet sich in entsprechenden Foren an und tauscht sich aktiv mit anderen über China aus. Die Erkenntnis, dass auch andere Menschen von Sinophilie betroffen sind, verstärkt den bereits ausgelösten Tatendrang noch weiter. In vielen Fällen wird in dieser Phase der Entschluss gefasst, den Ursprungsort der Sinophilie persönlich zu besuchen und zu erfahren, ja vielleicht dort längerfristig zu arbeiten oder zu studieren.

In der Folgezeit lassen sich zwei verschiedene Betroffenheitsbilder unterscheiden:

Bei der Sinophilia germaniae verbleibt der Betroffene für die allermeiste Zeit in seinem Heimatland und hat nur sporadisch direkten Kontakt zu China. Die Ursachen für diese Situation sind sehr vielfältig und bedürfen im Einzelfall einer gründlichen Untersuchung.

Bei der Sinophilia sinae verbringt der Betroffene die allermeiste Zeit in China und hat somit regelmäßig direkten Kontakt mit der chinesischen Lebensweise.

Sinophilia sinae Betroffene erreichen in der Regel eher Phase IV bzw. V, wohingegen Sinophilia germaniae Betroffene häufiger in Phase III verweilen. Die Gründe für diese unterschiedliche Verlaufsform der beiden Sinophilie-Arten sind derzeit Gegenstand intensiver Feldstudien, zu denen bislang allerdings noch keine signifikanten Ergebnisse vorliegen.

Ab dieser Phase muss die Sinophilie nach gegenwärtigen Erkenntnisstand zudem als nicht umkehrbar eingestuft werden. Spontanremissionen wurden zwar beobachtet, ließen sich bisher allerdings nicht in allen Einzelheiten nachvollziehen.

Phase III: Selektive Wahrnehmung

Phase III der Sinophilie zeichnet sich durch eine zunehmende selektive Wahrnehmung sämtlicher sinokritischer Aspekte aus. Zumeist werden als durchaus kritisch zu bewertende Fakten über den chinesischen Raum negiert, relativiert oder konterkariert. Dieses wird häufig von einem sprunghaften Anstieg von geschichtlichem Wissen begleitet. In schweren Fällen kann es zu einer Germanophobie und Mediaphobie kommen, sowie zu einer Abneigung gegenüber Spiegeln (Speculo aversio) und mangelndem Interesse sich mit dem Fokus gewisser Sachverhalte zu beschäftigen (Focus irreverensis).

Für die unmittelbare Umgebung ist es mitunter nicht immer leicht, Zugang zu einem Sinophilie Phase III Betroffenen zu erhalten. Auf jeden Fall sind viel Verständnis und Geduld nötig. Sowohl der Kommunikationsversuch mit einer vernünftigen als auch einer aggressiven Argumentationsmethode mit dem Betroffenen hat sich in den allermeisten Fällen als kontraproduktiv herausgestellt.

Obwohl statistisch nicht signifikant, scheinen Sinophilia germaniae Betroffene stärker von Phase III erfasst zu sein als Sinophilie sinae Betroffene. Eine stärkere Manifestation kann sich über einen Zeitraum von vielen Jahren zu einer chronischen Verlaufsform entwickeln, für die es bislang nur sehr wenige Ansätze einer Umkehr gibt. Insgesamt muss diese Phase der Sinophilie als die problematischste und schwierigste gesehen werden, da neben der individuellen Einstellung auch das eigene Umfeld direkt und indirekt betroffen ist, was oftmals zu einem großen Konfliktpotential führt.

Phase IV: Ernüchterung

Verstärkt beobachten lässt sich Phase IV bei Personen, die seit ein oder zwei Jahren als Sinophilia sinae Betroffene gelten. Die Realität vor Ort hat diese Personen in den meisten Fällen erreicht und als Reaktion des objektiven Vergleichs zwischen der Situation vor dem Auftritt der Sinophilie und der jetzigen Situation setzt häufig ein Gefühl der Ernüchterung ein. Die Stärke dieses Gefühls hängt signifikant stark von den Lebensbedingungen ab. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass der Einzelne sich in dieser Phase stärker am individuellen Schicksal orientiert als an dem einer ganzen Nation oder den Menschen einer bestimmten Region.

In Phase IV hinterfragt der Betroffene manchmal seine in Phase III gezeigten Verhaltensweisen, einhergehend mit der Erkenntnis, dass sie weder bei ihm persönlich, noch bei jemand anderem zu einem großflächigen Meinungsumschwung geführt haben. Man erkennt eine gewisse Sinnlosigkeit sich mit auf absehbarer Zeit unlösbaren Fragen zu beschäftigen und besinnt sich lieber auf das, was einem selbst am Besten nützt. Gewisse Rückfälle in alte Verhaltens- und Denkmuster sind aber in dieser Phase weiterhin möglich, vor allem wenn man weiterhin direkten Kontakt zu Phase III Betroffenen hat. Bei günstigem Verlauf nehmen diese Rückfälle aber mit der Zeit immer weiter ab, was schließlich zu Phase V der Sinophilie führt.

Phase V: Realität

Phase V kann als latente Manifestation der positiven Elemente aus Phase IV angesehen werden. Der Betroffene hat nicht nur gelernt sich seiner selektiven Wahrnehmung zu entziehen, er distanziert sich auch gegenüber solchen Verhaltensweisen Anderer. Im Normalfall haben Phase V Sinophilia sinae Betroffene durch jahrelanges Anpassungsverhalten eine gewisse, wenn auch nicht vollständige Immunität gegenüber der nicht zu unterschätzenden Germanophobie und Mediaphobie entwickelt. Durch das Ausschalten dieser negativen Begleiterscheinungen ist es dem Betroffenen möglich ein relativ normales Leben mit seiner Sinophilie zu führen.

In Phase V schließt sich gewissermaßen der Kreis, der mit Phase I begann, zu diesem Zeitpunkt allerdings mit einer weitaus differenzierteren Betrachtungsweise. Die persönliche Langzeiterfahrung vor Ort (> 3 Jahre) ist nach gegenwärtigem Kenntnisstand eine günstige Voraussetzung für das Erreichen dieser Phase, eine generelle Prognose kann daraus aber nicht abgeleitet werden.

Sinophilie Phase V Betroffene zeichnen sich häufig durch eine stabile und langfristige Lebensgrundlage in China aus. Diese umfasst sowohl den persönlichen als auch den beruflichen Bereich, sowie weitreichende Kenntnisse der lokalen Sprache und Kultur durch eigene, teilweise auch negative Erfahrungen.

Abschließend konnte allerdings nicht geklärt werden, ob und inwiefern sich im weiteren Verlauf der Sinophilie weitere Phasen abgrenzen lassen. Zu diesem Thema laufen zurzeit allerdings einige Langzeitstudien, deren Ergebnisse in den nächsten Jahren sicherlich einen näheren Aufschluss über diese Thematik ermöglichen.

Fazit: Die Autoren empfehlen, die gegenwärtige Beschreibung der einzelnen Phasen der Sinophilie als Anschauungsmaterial einem breiten Publikum zugänglich zu machen und sind für weitere Anregungen hinsichtlich dieses Themas jederzeit offen.

Danksagung: Die Autoren bedanken sich hiermit ganz herzlich beim Betreiber des Weblogs fan1yi4.wordpress.com (der rein zufällig auch der Betreiber des Weblogs taiwanoca.wordpress.com ist) für die freundliche Unterstützung beim Zusammenstellen und Veröffentlichen der hier präsentierten Forschungsergebnisse.

© KIPPMICH 2009

3 Gedanken zu “Die 5 Phasen der Sinophilie

    • Es ist ernst gemeinter trockener Humor.😉

      Dieser Bericht ist aus der Erfahrung mit dem Umgang mit vielen Chinabegeisterten (=sinophiler) Menschen entstanden, deren Meinungen und Verhalten sich tatsächlich abhängig von bestimmten Umständen so entwickelt haben.

      Sich in zwei vollkommen unterschiedlichen Kulturkreisen in Zeiten von wirtschaftlichen, politischen und umweltbedingten Veränderungen zu bewegen und darin zurechtzukommen ist zum einen ganz spannend und zum anderen auch eine Sache, die kaum an jemandem spurlos vorübergehen wird, wenn man es denn ernsthaft (> Phase II) betreibt.

      Und ich denke jeder, der schon einmal mit anderen Menschen über China im Internet oder sonstwo ernsthaft diskutiert hat, wird sich und andere irgendwie in dem Bericht wiedererkennen.😉

  1. Ja, das war ja das gemeine ;)… ich habe mich da genau darin gesehen. Da es so wissenschaftlich geklungen hat, war ich mir nicht mehr so sicher, obs nur trockener Humor oder doch „seriös“ ist… Als Wiener bin ich ja schon einiges an Schmäh gewöhnt, an sich😉
    danke für die Aufklärung, witziger Artikel
    lg

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