Die 5 Phasen der Sinophilie

aus dem Archiv von Prof. Dr. Ha Ri Bo und Dr. Wang E. Rooge

Konfuzius Institut für Physiologie und Psychologie
in Miulun, China (Abkz.: KIPPMICH)

Thema: Beschreibung der einzelnen Phasen der Sinophilie, sowie Einführung der Unterarten Sinophilia germaniae und Sinophilia sinae

Einleitung: Die Sinophilie ist das in den letzten drei Jahrzehnten zunehmend verstärkt auftretendes Phänomen einer allgemeinen Begeisterung für und um den Großraum China. Umfangreiche Beobachtungen dieses Phänomens führten die Autoren zu einer detaillierten Differenzierung einzelner Sinophilie-Phasen, einschließlich möglicher Auswirkungen auf die jeweils direkt Betroffenen und ihre Umgebung. Mit der nachfolgenden Beschreibung wird erstmals eine Klassifizierung von Sinophilie-Betroffenen ermöglicht mit der Absicht, die Vorteile und Nachteile einer sinophilen Lebensweise einem breiten Publikum näher zu bringen.

Phase I: Faszination

Phase I der Sinophilie drückt sich in einem allgemein gesteigerten Interesse an der chinesischen Kultur aus.

Häufig auftretende Symptome sind:

  • Faszination über Bezeichnungen wie „Das Jahr des Drachen“, „Das Jahr des Tigers“ oder chinesische Namen wie „Schöne Perle“ und „Mutiger Krieger“.
  • Besondere Eifrigkeit beim Ansehen von Filmen wie z.B. „Hero“ und „House of Flying Daggers“ und Begeisterung für Jet Li und Tony Leung (vorwiegend bei weiblichen Betroffenen).
  • Einrichtung eines „chinesischen“ Zimmers, indem sich Tapete mit chinesischen Schriftzeichen und reichlich Bambus besorgt wird.
  • Auswendiglernen von chinesischen Lebensweisheiten.
  • Nähere Beschäftigung mit chinesischen Schriftzeichen und allgemein mit der traditionellen chinesischen Kultur.
  • Lesen von Büchern über China, auf Deutsch.
  • Aufsuchen eines Internetforums über China und Lesen aller Diskussionen, die etwas mit dem Leben in China zu tun haben.
  • Leises vor sich Hinkichern, nachdem man seine ersten Wörter auf Chinesisch, also nihao und xiexie, ausgesprochen hat.

Von der Außenwelt wird Phase I Sinophilie häufig als Schwärmerei für China umschrieben.

Tatsächlich kann davon ausgegangen werden, dass ein Teil von Phase I Sinophilie-Betroffenen nicht in die weitergehenden Phasen eintritt und das Chinainteresse daher auf Dauer ohne weitere Folgen bleibt. Durch fehlendes Datenmaterial kann der prozentuale Anteil dieser latenten Phase I Sinophilie-Betroffenen allerdings nicht näher bestimmt werden.

Phase II: Tatendrang

In Phase II haben die Symptome der Phase I dazu geführt, dass der Sinophilie-Betroffene einen gesteigerten Tatendrang hinsichtlich China und chinesischer Kultur verspürt. Häufigstes Symptom in Phase II ist die Absicht die chinesische Sprache in Wort und Schrift zu erlernen. In Internetforen über China wird nicht nur weiterhin passiv mitgelesen, sondern der Sinophilie-Betroffene meldet sich in entsprechenden Foren an und tauscht sich aktiv mit anderen über China aus. Die Erkenntnis, dass auch andere Menschen von Sinophilie betroffen sind, verstärkt den bereits ausgelösten Tatendrang noch weiter. In vielen Fällen wird in dieser Phase der Entschluss gefasst, den Ursprungsort der Sinophilie persönlich zu besuchen und zu erfahren, ja vielleicht dort längerfristig zu arbeiten oder zu studieren.

In der Folgezeit lassen sich zwei verschiedene Betroffenheitsbilder unterscheiden:

Bei der Sinophilia germaniae verbleibt der Betroffene für die allermeiste Zeit in seinem Heimatland und hat nur sporadisch direkten Kontakt zu China. Die Ursachen für diese Situation sind sehr vielfältig und bedürfen im Einzelfall einer gründlichen Untersuchung.

Bei der Sinophilia sinae verbringt der Betroffene die allermeiste Zeit in China und hat somit regelmäßig direkten Kontakt mit der chinesischen Lebensweise.

Sinophilia sinae Betroffene erreichen in der Regel eher Phase IV bzw. V, wohingegen Sinophilia germaniae Betroffene häufiger in Phase III verweilen. Die Gründe für diese unterschiedliche Verlaufsform der beiden Sinophilie-Arten sind derzeit Gegenstand intensiver Feldstudien, zu denen bislang allerdings noch keine signifikanten Ergebnisse vorliegen.

Ab dieser Phase muss die Sinophilie nach gegenwärtigen Erkenntnisstand zudem als nicht umkehrbar eingestuft werden. Spontanremissionen wurden zwar beobachtet, ließen sich bisher allerdings nicht in allen Einzelheiten nachvollziehen.

Phase III: Selektive Wahrnehmung

Phase III der Sinophilie zeichnet sich durch eine zunehmende selektive Wahrnehmung sämtlicher sinokritischer Aspekte aus. Zumeist werden als durchaus kritisch zu bewertende Fakten über den chinesischen Raum negiert, relativiert oder konterkariert. Dieses wird häufig von einem sprunghaften Anstieg von geschichtlichem Wissen begleitet. In schweren Fällen kann es zu einer Germanophobie und Mediaphobie kommen, sowie zu einer Abneigung gegenüber Spiegeln (Speculo aversio) und mangelndem Interesse sich mit dem Fokus gewisser Sachverhalte zu beschäftigen (Focus irreverensis).

Für die unmittelbare Umgebung ist es mitunter nicht immer leicht, Zugang zu einem Sinophilie Phase III Betroffenen zu erhalten. Auf jeden Fall sind viel Verständnis und Geduld nötig. Sowohl der Kommunikationsversuch mit einer vernünftigen als auch einer aggressiven Argumentationsmethode mit dem Betroffenen hat sich in den allermeisten Fällen als kontraproduktiv herausgestellt.

Obwohl statistisch nicht signifikant, scheinen Sinophilia germaniae Betroffene stärker von Phase III erfasst zu sein als Sinophilie sinae Betroffene. Eine stärkere Manifestation kann sich über einen Zeitraum von vielen Jahren zu einer chronischen Verlaufsform entwickeln, für die es bislang nur sehr wenige Ansätze einer Umkehr gibt. Insgesamt muss diese Phase der Sinophilie als die problematischste und schwierigste gesehen werden, da neben der individuellen Einstellung auch das eigene Umfeld direkt und indirekt betroffen ist, was oftmals zu einem großen Konfliktpotential führt.

Phase IV: Ernüchterung

Verstärkt beobachten lässt sich Phase IV bei Personen, die seit ein oder zwei Jahren als Sinophilia sinae Betroffene gelten. Die Realität vor Ort hat diese Personen in den meisten Fällen erreicht und als Reaktion des objektiven Vergleichs zwischen der Situation vor dem Auftritt der Sinophilie und der jetzigen Situation setzt häufig ein Gefühl der Ernüchterung ein. Die Stärke dieses Gefühls hängt signifikant stark von den Lebensbedingungen ab. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass der Einzelne sich in dieser Phase stärker am individuellen Schicksal orientiert als an dem einer ganzen Nation oder den Menschen einer bestimmten Region.

In Phase IV hinterfragt der Betroffene manchmal seine in Phase III gezeigten Verhaltensweisen, einhergehend mit der Erkenntnis, dass sie weder bei ihm persönlich, noch bei jemand anderem zu einem großflächigen Meinungsumschwung geführt haben. Man erkennt eine gewisse Sinnlosigkeit sich mit auf absehbarer Zeit unlösbaren Fragen zu beschäftigen und besinnt sich lieber auf das, was einem selbst am Besten nützt. Gewisse Rückfälle in alte Verhaltens- und Denkmuster sind aber in dieser Phase weiterhin möglich, vor allem wenn man weiterhin direkten Kontakt zu Phase III Betroffenen hat. Bei günstigem Verlauf nehmen diese Rückfälle aber mit der Zeit immer weiter ab, was schließlich zu Phase V der Sinophilie führt.

Phase V: Realität

Phase V kann als latente Manifestation der positiven Elemente aus Phase IV angesehen werden. Der Betroffene hat nicht nur gelernt sich seiner selektiven Wahrnehmung zu entziehen, er distanziert sich auch gegenüber solchen Verhaltensweisen Anderer. Im Normalfall haben Phase V Sinophilia sinae Betroffene durch jahrelanges Anpassungsverhalten eine gewisse, wenn auch nicht vollständige Immunität gegenüber der nicht zu unterschätzenden Germanophobie und Mediaphobie entwickelt. Durch das Ausschalten dieser negativen Begleiterscheinungen ist es dem Betroffenen möglich ein relativ normales Leben mit seiner Sinophilie zu führen.

In Phase V schließt sich gewissermaßen der Kreis, der mit Phase I begann, zu diesem Zeitpunkt allerdings mit einer weitaus differenzierteren Betrachtungsweise. Die persönliche Langzeiterfahrung vor Ort (> 3 Jahre) ist nach gegenwärtigem Kenntnisstand eine günstige Voraussetzung für das Erreichen dieser Phase, eine generelle Prognose kann daraus aber nicht abgeleitet werden.

Sinophilie Phase V Betroffene zeichnen sich häufig durch eine stabile und langfristige Lebensgrundlage in China aus. Diese umfasst sowohl den persönlichen als auch den beruflichen Bereich, sowie weitreichende Kenntnisse der lokalen Sprache und Kultur durch eigene, teilweise auch negative Erfahrungen.

Abschließend konnte allerdings nicht geklärt werden, ob und inwiefern sich im weiteren Verlauf der Sinophilie weitere Phasen abgrenzen lassen. Zu diesem Thema laufen zurzeit allerdings einige Langzeitstudien, deren Ergebnisse in den nächsten Jahren sicherlich einen näheren Aufschluss über diese Thematik ermöglichen.

Fazit: Die Autoren empfehlen, die gegenwärtige Beschreibung der einzelnen Phasen der Sinophilie als Anschauungsmaterial einem breiten Publikum zugänglich zu machen und sind für weitere Anregungen hinsichtlich dieses Themas jederzeit offen.

Danksagung: Die Autoren bedanken sich hiermit ganz herzlich beim Betreiber des Weblogs fan1yi4.wordpress.com (der rein zufällig auch der Betreiber des Weblogs taiwanoca.wordpress.com ist) für die freundliche Unterstützung beim Zusammenstellen und Veröffentlichen der hier präsentierten Forschungsergebnisse.

© KIPPMICH 2009

台灣的地震 – Erdbeben in Taiwan

最近在台灣發生過有些強震, 提醒大家地震可有的破壞力.

Vor kurzem ereigneten sich in Taiwan einige Erdbeben, die allen hier mal wieder verdeutlicht haben, welche Kraft Erdbeben eigentlich entfalten können.

我住在台灣之前都沒有遇到地震, 來台灣大約一個月以後就體驗過我第一次的地震.

Vor meiner Zeit in Taiwan hatte ich noch nie ein Erdbeben erlebt, aber bereits knapp einen Monat nach meiner Ankunft in Taiwan hatte ich schon meine erste Erdbebenerfahrung.

我當時一個人在家準備上中文課, 忽然感到房子微動, 然後就等那個動作是否變更大了.

Ich war damals allein zu Haus und bereitete mich auf den Chinesischunterricht vor als plötzlich das Haus anfing zu wackeln und ich nur abwarten konnte, ob die Wackelei jetzt nun stärker werden würde oder nicht.

謝天謝地, 地震在台北縣往往不是那麼強, 但是當我第一次體驗地震的時候, 一個比較小的地震也讓我緊張.

Zum Glück sind Erdbeben im Landkreis Taipei nicht all zu stark, aber als ich es das erste Mal erlebt habe, reichte auch schon ein relativ kleines Erdbeben, um ziemlich nervös zu werden.

從那時候我已經遇到了二十或三十個地震, 有一天就結束算了.

Seitdem habe ich ungefähr 20 oder 30 Erdbeben erlebt und irgendwann damit aufgehört sie zu zählen.

現在可以說我’習慣’了地震的事件, 但是人們真可以習慣這個嗎?

Man könnte also sagen, dass ich mich mittlerweile an Erdbeben “gewöhnt” habe, aber kann man bei so was wirklich von Gewohnheit sprechen?

我們德國人麼沒有921或所有強震的經驗.

Wir Deutsche haben keine Erfahrung mit schweren Erdbeben wie das vom 21. September 1999 (921).

所以我完全不知道一個很大的地震有什麼影響.

Von daher habe ich keine Ahnung, was ein wirklich starkes Erdbeben alles anrichten kann.

我根本也不想要發覺!!

Ich hab es mit Sicherheit auch nicht vor herauszufinden!!

但是我當然可以了解台灣的地震讓很多台灣人下了一條, 特別住921地震中附近的人.

Aber natürlich kann ich verstehen, dass die Erdbeben in Taiwan viele Menschen in Angst und Schrecken versetzen, speziell die, die in der Nähe des Epizentrum des 921 Erdbebens leben.

上個禮拜, 一個強震在花蓮附近發生過了.

Letzte Woche ereignete sich ein stärkeres Erdbeben in der Nähe von Hualian.

我們在新店市也感到了滿強的震波, 是我到現在感到最強的地震.

In Xindian haben wir auch starke Ausläufer gespürt und bis jetzt war es mein stärkstes Erdbeben in Taiwan.

我老婆跟我已經想找掩蔽的地方, 但地震比較快就結束了.

Meine Frau und ich haben uns schon nach schützenden Orten umgesehen, aber das Erdbeben war auch wieder ziemlich schnell vorüber.

當時我一點點察覺一個大地震的利害.

Da habe ich ein wenig mitbekommen, was bei einem großen Erdbeben alles passieren kann.

如果是颱風, 人們之前可以準備.

Wenn es um Taifune geht, können sich die Menschen darauf vorbereiten.

這樣說不定可以避免破壞, 但這樣當然可以採取某些預防措施.

Zwar kann man so auch nicht unbedingt Zerstörungen vermeiden, aber auf diese Weise lassen sich auf jeden Fall einige Schutzmaßnahmen treffen.

那地震呢?

Aber bei Erdbeben?

好像一點都不能預告.

Da scheint es kein bisschen Vorwarnung zu geben.

這樣的不確定真很麻煩, 反正壞事也可以在其他地方發生了, 所以戰戰兢兢得等到下一個地震也不是一個調適的解決辦法.

Diese Unbestimmtheit ist schon sehr beunruhigend, andererseits können schlimme Dinge immer und überall geschehen, jetzt also sorgenvoll auf das nächste Erdbeben zu warten ist bestimmt auch nicht die beste Methode damit umzugehen.

是否既來之,則安之(但不是疏於防範!)的態度是比較好的辦法我也不太清楚, 但這樣一定是比較輕省.

Ob jetzt eine Einstellung wie “Et kütt wie et kütt” (ohne dabei leichtsinnig zu sein!) eine gute Methode ist, weiß ich auch nicht, aber es ist auf jeden Fall eine entspannte.

再說, 雖然我覺得台灣的房子有些缺點, 我真希望台灣的房子不是不堪一擊的.

Und obwohl die Häuser in Taiwan so einige Schwachpunkte aufweisen, hoffe ich doch mal nicht, dass sie beim erstbesten Ruckeln gleich umfallen.

到現在好像都沒有問題, 但再講一次, 我根本也不想要自己發覺.

Bislang war das alles noch kein Problem, aber um es noch mal zu sagen, selbst herausfinden möchte ich es auf jeden Fall auch nicht.

台灣的地震

最近在台灣發生過有些強震, 提醒大家地震可有的破壞力. 我住在台灣之前都沒有遇到地震, 來台灣大約一個月以後就體驗過我第一次的地震.

我當時一個人在家準備上中文課, 忽然感到房子微動, 然後就等那個動作是否變更大了. 謝天謝地, 地震在台北縣往往不是那麼強, 但是當我第一次體驗地震的時候, 一個比較小的地震也讓我緊張. 從那時候我已經遇到了二十或三十個地震, 有一天就結束算了, 現在可以說我’習慣’了地震的事件, 但是人們真可以習慣這個嗎?

我們德國人麼沒有921或所有強震的經驗, 所以我完全不知道一個很大的地震有什麼影響. 我根本也不想要發覺!! 但是我當然可以了解台灣的地震讓很多台灣人下了一條, 特別住921地震中附近的人.

上個禮拜, 一個強震在花蓮附近發生過了. 我們在新店市也感到了滿強的震波, 是我到現在感到最強的地震. 我老婆跟我已經想找掩蔽的地方, 但地震比較快就結束了. 當時我一點點察覺一個大地震的利害.

如果是颱風, 人們之前可以準備, 也不一定可以說這樣可以避免破壞, 但這樣當然可以採取某些預防措施. 那地震呢? 好像一點都不能預告. 這樣的不確定真很麻煩, 反正壞事也可以在其他地方發生了, 所以戰戰兢兢得等到下一個地震也不是一個調適的解決辦法. 是否既來之,則安之(但不是疏於防範!)的態度是比較好的辦法我也不太清楚, 但這樣一定是比較輕省.

再說, 雖然我覺得台灣的房子有些缺點, 我真希望台灣的房子不是不堪一擊的. 到現在好像都沒有問題, 但再講一次, 我根本也不想要自己發覺.

Erdbeben in Taiwan

Vor kurzem ereigneten sich in Taiwan einige Erdbeben, die allen hier mal wieder verdeutlicht haben, welche Kraft Erdbeben eigentlich entfalten können. Vor meiner Zeit in Taiwan hatte ich noch nie ein Erdbeben erlebt, aber bereits knapp einen Monat nach meiner Ankunft in Taiwan hatte ich schon meine erste Erdbebenerfahrung.

Ich war damals allein zu Haus und bereitete mich auf den Chinesischunterricht vor als plötzlich das Haus anfing zu wackeln und ich nur abwarten konnte, ob die Wackelei jetzt nun stärker werden würde oder nicht. Zum Glück sind Erdbeben im Landkreis Taipei nicht all zu stark, aber als ich es das erste Mal erlebt habe, reichte auch schon ein relativ kleines Erdbeben, um ziemlich nervös zu werden. Seitdem habe ich ungefähr 20 oder 30 Erdbeben erlebt und irgendwann damit aufgehört sie zu zählen. Man könnte also sagen, dass ich mich mittlerweile an Erdbeben „gewöhnt“ habe, aber kann man bei so was wirklich von Gewohnheit sprechen?

Wir Deutsche haben keine Erfahrung mit schweren Erdbeben wie das vom 21. September 1999 (921), von daher habe ich keine Ahnung, was ein wirklich starkes Erdbeben alles anrichten kann. Ich hab es mit Sicherheit auch nicht vor herauszufinden!! Aber natürlich kann ich verstehen, dass die Erdbeben in Taiwan viele Menschen in Angst und Schrecken versetzen, speziell die, die in der Nähe des Epizentrum des 921 Erdbebens leben.

Letzte Woche ereignete sich ein stärkeres Erdbeben in der Nähe von Hualian. In Xindian haben wir auch starke Ausläufer gespürt und bis jetzt war es mein stärkstes Erdbeben in Taiwan. Meine Frau und ich haben uns schon nach schützenden Orten umgesehen, aber das Erdbeben war auch wieder ziemlich schnell vorüber. Da habe ich ein wenig mitbekommen, was bei einem großen Erdbeben alles passieren kann.

Wenn es um Taifune geht, können sich die Menschen darauf vorbereiten. Zwar kann man so auch nicht unbedingt Zerstörungen vermeiden, aber auf diese Weise lassen sich auf jeden Fall einige Schutzmaßnahmen treffen. Aber bei Erdbeben? Da scheint es kein bisschen Vorwarnung zu geben. Diese Unbestimmtheit ist schon sehr beunruhigend, andererseits können schlimme Dinge immer und überall geschehen, jetzt also sorgenvoll auf das nächste Erdbeben zu warten ist bestimmt auch nicht die beste Methode damit umzugehen. Ob jetzt eine Einstellung wie „Et kütt wie et kütt“ (ohne dabei leichtsinnig zu sein!) eine gute Methode ist, weiß ich auch nicht, aber es ist auf jeden Fall eine entspannte.

Und obwohl die Häuser in Taiwan so einige Schwachpunkte aufweisen, hoffe ich doch mal nicht, dass sie beim erstbesten Ruckeln gleich umfallen. Bislang war das alles noch kein Problem, aber um es noch mal zu sagen, selbst herausfinden möchte ich es auf jeden Fall auch nicht.

Earthquakes in Taiwan

Recently there have been a few earthquakes in Taiwan showing everyone once more what kind of power earthquakes could actually release. Before I came to Taiwan, I never experienced any earthquake, but just one month after I arrived here, I already had my first earthquake encounter.

I was alone at home at that time, preparing to go to Chinese classes, when suddenly the house started to shake and I only could wait and see whether the shaking would get stronger or not. Fortunately, earthquakes are not that strong in Taipei County, however, when I experienced it for the first time, even quite a small earthquake was enough to get me nervous. Since then, I passed along 20 or 30 other earthquakes and I actually once started not to count them anymore. So I could really say that I meanwhile „got used“ to earthquakes, but does one can really talk of usage in such a case

Germans don’t have any experience with big earthquakes such as the one from 9/21/1999 (921), thus I really don’t know about the impact of a really big earthquake. However, I also don’t have any intention to find it out!! But for sure I can understand that earthquakes in Taiwan frighten a lot of people, especially those who live near to the center of the 921 earthquake.

Last week, a strong quake happened near to Hualian. We also felt strong shocks in Xindian and this was my strongest earthquake in Taiwan so far. My wife and me were already looking for shelter, however, the earthquake passed really soon. At that time a bit of what might happen at a big earthquake came to my mind.

If it’s about typhoons, people have some time to prepare. For sure, damage cannot be entirely prevented by that, but some precautions can nevertheless be taken. But with earthquakes? It seems that there is no warning at all. This kind of uncertainty is quite disturbing; on the other hand, bad things might happen every time and everywhere, so worryingly waiting for the next earthquake is certainly not the best way to deal with it. Whether an attitude like „Que sera sera“ (without being careless) is a good method I also don’t know, but for sure it’s a relaxing one

And although houses in Taiwan have some disadvantages, I really hope that they won’t collapse at the first blow. So far, everything was no real problem at all, but to say it once more…I absolutely don’t want to find it out by myself.

Chinesische Redewendungen

Es gibt einen neuen Trend auf den Chinesischlernplattformen im Internet: das Auflisten von chinesischen Redewendungen, auch als Chengyu bekannt.

Chengyu (成語) sind chinesische Redewendungen, die in der chinesischen Sprache einen recht hohen Stellenwert einnehmen. Durch die wunderbare Bedeutungsvielfalt der chinesischen Schriftzeichen lassen sich mit Chengyu auf elegante Weise viele Gedankengänge sehr treffend darstellen. Eine häufig benutzte Beschreibung für Chengyu ist auch: das Salz in der Suppe der chinesischen Sprache.

Vielen dieser Chengyu liegt eine Geschichte der klassischen chinesischen Literatur zu Grunde und können ohne Kenntnis dieses geschichtlichen Hintergrundes nur schwer oder gar nicht verstanden werden. Wenn man ganz genau ist, stellen die Chengyu nur einen Teil der chinesischen Redewendungen dar, es gibt darüber hinaus noch Einteilungen in z.B. Sprichwörter (諺語), Redensarten (俗語), Bauernregeln (農言) und noch einige weitere.

Die Abgrenzung was zu wem gehört ist nicht immer leicht und auch vom Standpunkt des Betrachters abhängig und es scheint, dass sich der Begriff Chengyu mittlerweile als Oberbegriff für sämtliche chinesische Redewendungen im Bereich der Chinesischlernenden eingebürgert hat. Nicht unbedingt passend, da Chengyu unter allen Einteilungen zu der anspruchsvollsten Kategorie gehört, aber eine bessere Bezeichnung fällt mir im Moment auch nicht wirklich ein.

Das Auswendiglernen von chinesischen Redewendungen ist wohl deswegen so beliebt, weil jeder Chinese einem Ausländer praktisch zu Füßen liegen wird, wenn dieser in der Lage ist ein treffendes Chengyu (oder etwas das danach klingt) zum Besten zu geben. So erfreulich dieser Trend auf den ersten Blick aber auch ist, schließlich zielt er darauf ab sich noch intensiver und noch natürlicher mit der chinesischen Sprache zu beschäftigen, so sehr amüsiert mich auch zum Teil die zurzeit auf manchen Plattformen betriebene Hektik jetzt irgendwas mit Chengyu machen zu müssen.

Natürlich ist es klasse, wenn man das eine oder andere Chengyu in seine Konversation einbauen kann. Aber es sollte dann auch zum Thema der Konversation passen. Die meisten Anwendungsbeispiele, die ich bei der Vorstellung von Chengyu bislang gesehen habe, stammen zumeist aus chinesischen Zeitungsartikeln oder Reden berühmter Persönlichkeiten, also etwas was der normale Chinesischstudent zum einen niemals schreiben und zum anderen niemals halten wird.

Um diesen Trend vielleicht mal wieder in etwas vernünftigere Bahnen zu lenken (…ich bilde mir doch tatsächlich ein, dass mein Geschreibsel etwas bewirken kann, oje) habe ich mich entschieden hier mal Redewendungen und feste Ausdrücke zu sammeln, die ich in meinen eigenen Texten im Blog oder an anderen Stellen (Facebook, MSN, etc.) auch wirklich schon eingesetzt habe. Anstatt nämlich zuerst ein Chengyu zu lernen, um dann auf die Gelegenheit zu warten es vielleicht irgendwann mal einsetzen zu können, achte ich beim Verfassen meiner chinesischen Texte auf Stellen, an denen eine etwas elegantere Formulierung ganz nett sein könnte. Danach wälze ich dann meine Wörterbücher (zuletzt mit einer Präferenz für MDBG) und vergleiche verschiedene Versionen, um die für mich passendste einzusetzen. Zudem scanne ich mittlerweile die Blogs und Facebook Notizen meiner chinesischsprachigen Freunde auf brauchbare Redewendungen und notiere sie mir gegebenenfalls.

Vielleicht führt dieser Ansatz ja zu einer Sammlung von einer Art von praktischen Redewendungen ohne gleich ständig auf irgendwelche Geschichten der klassischen chinesischen Literatur Bezug nehmen zu müssen. Denn meistens sind die Schuhe dafür noch ein paar Nummern zu groß und wirklich natürlich wirkt es auch nur in den wenigsten Fällen.

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Die folgenden Ausdrücke stammen aus einer Diskussion mit taiwanischen Bekannten über abfällige Bemerkungen über in Europa lebende Asiaten und meinen Einwand, dass man dies aber jetzt bitte nicht auf alle Europäer verallgemeinern möge (…was in einigen Kommentaren durchaus getan wurde):

抬頭挺胸 (tai2 tou2 ting3 xiong2) = voller Selbstvertrauen/Stolz sein

Beispiel: 幹麻要歧視亞洲人呢? 真的很討厭! 但沒關係!!更因為這樣我們更要抬頭挺胸!!

Übersetzung: Was soll diese Diskriminierung von Asiaten eigentlich? Das ist echt widerlich! Aber egal!! Das wird uns alle nur noch selbstbewusster machen!!

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小題大作 (xiao3 ti2 da4 zuo4) = „aus einer Mücke einen Elefanten machen“ (wörtl.: kleines Thema, große Aktion)

Beispiel: 這樣有一點小題大作的味道…

Übersetzung: Das sieht ein wenig so aus, als ob man aus einer Mücke einen Elefanten macht.

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對號入座 (dui4 hao4 ru4 zuo4) = jmdn. als etwas „abstempeln“ (wörtl.: eine Platznummer vergeben)

Beispiel: 如果某些人要對號入座我也沒有辦法…

Wenn mich gewisse Leute als etwas abstempeln wollen, dann kann ich das auch nicht ändern…

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以偏概全 (yi3 pian1 gai4 quan2) = ein Teil als Ganzes nehmen, verallgemeinern

Beispiel: 不能以偏概全, 我們也曾遇見很好的歐洲人.

Übersetzung: Man kann nicht einen Teil als Ganzes nehmen, wir haben in der Vergangenheit auch sehr nette Europäer getroffen.

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完美無瑕 (wan2 mei3 wu2 xia2) = perfekt, tadellos

Beispiel: 妳並不可以預期在這個地方都是完美無瑕, 因為人們並不是這樣….

Übersetzung: Du kannst absolut nicht erwarten, dass an diesem Ort alles tadellos ist, weil Menschen eben nun mal nicht so sind….

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濫殺無辜 (lan4 sha1 wu2 gu1) = Unschuldige rücksichtslos niedermachen (wer es drastischer mag: niedermetzeln)

Beispiel: 我可以了解妳們的怒氣, 也可以了解想要出氣. 是否濫殺無辜是一個合意的辦法, 沒一個人必須自己決定.

Übersetzung: Ich kann deine Verärgerung verstehen, auch dass man mal Dampf ablassen muss. Ob allerdings Unschuldige rücksichtslos niederzumachen eine geeignete Weise ist, muss jeder Mensch wohl selbst entscheiden.

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以血洗血 (yi3 xue4 xi3 xue4) = Auge um Auge, Zahn um Zahn (auf Chinesisch in etwa: Blut für Blut)

Beispiel: 啊, 我們終於到了以血洗血的論點…

Übersetzung: Ah, endlich kommen wir zum Auge um Auge, Zahn und Zahn Argument…

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Facebook Notizen:

與世隔絕 (yu3 shi4 ge2 jue2) = vom Rest der Welt abgeschnitten sein (hinter dem Mond leben?)

Beispiel: MSN上不了….害我有點與世隔絕的感覺….

Übersetzung: Kann mich nicht bei MSN anmelden….gibt mir ein wenig das Gefühl hinterm Mond zu leben….

Kekse, Krisen und Konfuzius

Über chinesische Sitten und Gebräuche scheinen sich auch im 21. Jahrhundert immer noch hartnäckig gewisse Missverständnisse zu halten.

Einige haben sich dank des Internets in den letzten Jahren etwas relativiert, andere scheinen aber munter weiter zu existieren. Ich möchte hier mal die drei Punkte Kekse, Krisen und Konfuzius aufgreifen, um die teilweise doch recht verzerrte Wahrnehmung der chinesischen Lebensphilosophie darzustellen.

Darüber hinaus gibt es natürlich noch unzählige andere Beispiele, aber die schöne Alliteration wollte ich mir für dieses Thema nicht nehmen lassen. 😉

Kekse

Das vermeintlich am einfachsten aufzuklärende Missverständnis ist wahrscheinlich das über die allseits bekannten Glückskekse. Um es kurz zu machen, denn die lange Version gibt es bei Wikipedia:

Glückskekse in Chinarestaurants sind eine reine Marketingidee und im chinesischen Raum nahezu unbekannt. Wenn ich mir heutzutage Filme anschaue, welche teilweise versuchen die chinesische Kultur noch immer mit den Weisheiten eines Glückskekses zu charakterisieren, dann weiß ich mittlerweile echt nicht mehr, ob es vielleicht doch nur die ironische Darstellung eines Klischees oder immer noch volle Überzeugung ist. Zusammen mit der auch immer wieder gern herangezogenen Verballhornung der Aussprache (Flühlingslolle) erscheint mir letzteres aber immer noch wahrscheinlicher.

Krisen

Eine immer wieder beliebte Frage in Chinesischforen handelt von der angeblich ach so tollen Bedeutungsvielfalt der chinesischen Sprache, ausgedrückt durch das Paradebeispiel „das Wort für Krise im Chinesischen beinhaltet die Schriftzeichen für Gefahr und Chance; die Chinesen empfinden eine Krise also sowohl als Gefahr als auch als Chance.“ Fehlt eigentlich nur noch ein „Tschakka, du schaffst es!“.

Nun ist dieses Missverständnis durch das Internet mittlerweile auch schon im Wesentlichen aufgeklärt, aber dennoch habe ich in diesem Jahr in mehreren Zeitungen, die sich mit der Finanzkrise beschäftigten, den Bezug auf Gefahr und Chance gelesen. Ich kann zwar verstehen, dass eine Erläuterung wie die folgende ziemlich unsexy für einen schlauen Artikel in einer Zeitung ist, aber dafür gibt sie den Sachverhalt eben richtig wieder:

Der Begriff Krise (危機) besteht jeweils aus einem Schriftzeichen der Begriffe Gefahr (危險) und Chance (機會)

Was stimmt ist, dass jeweils ein Zeichen der Begriffe Chance und Gefahr ein und dasselbe ist: 危.

Was ebenfalls stimmt ist, dass jeweils ein Zeichen der Begriffe Chance und Krise ein und dasselbe ist: 機.

Ein Chinesischstudent merkt sich den Begriff Krise auf Chinesisch höchstwahrscheinlich so:

Krise (危機) = 1. Zeichen von Gefahr (危險) + 1. Zeichen von Chance (機會)

oder

危機 = 危 + 機

Das ist allerdings allenfalls eine Merkhilfe und keine Interpretation der Bedeutung dieses Begriffs. Denn ein chinesischer Muttersprachler nimmt die einzelnen Bestandteile als solche hier gar nicht wahr, zudem besitzt gerade 機 noch eine weitere wichtige Bedeutung, nämlich Maschine.

Der missverständlichen Logik zufolge könnte ich auch ohne weiteres behaupten, dass der chinesische Begriff Krise (危機) aus jeweils einem Schriftzeichen der Begriffe Gefahr (危險) und Maschine (機器) besteht, also:

Krise = Gefahr + Maschine

Terminator lässt grüßen oder was? 😉

Was die ganze Angelegenheit zudem noch wie eine Art Etikettenschwindel anmuten lässt, ist die Tatsache, dass ein Chinese vor ein paar 100 Jahren noch nicht mal was mit dem eigentlichen Begriff Krise (危機) anfangen konnte. Denn im klassischen Chinesisch (was schon viele viele viele 100 Jahre alt) ist die Bedeutung von Krise, so wie wir sie heute verstehen, einfach nicht vorhanden!

Das gleiche Problem stellte sich auch den Japanern, die im Laufe des 19. Jahrhunderts durch die zunehmende Öffnung ihres Landes eine Reihe von Begriffen in ihren Wortschatz aufnahmen, deren westliche Bedeutung bis dato so nicht bekannt war. Dazu gehören Begriffe wie z.B. Krise, Chance und auch Maschine. Die heute uns auch auf Chinesisch bekannten Schreibweisen dieser Begriffe geht auf die in China später als in Japan erfolgte Adaption an bisher nicht vorhandene Begrifflichkeiten zurück.

In Japan wurden die neuen Wortschöpfungen nämlich in Kanji, also in chinesischen Schriftzeichen, geschrieben und fanden, als die Zeit auch in China reif dafür war, ohne Änderungen Einzug in den chinesischen Wortschatz. Der Krise als Ausdruck von Gefahr und Gelegenheit liegt also keine jahrtausendealte Weisheitserlangung zwischen Tokio und Tibet zu Grunde, sondern schlicht und einfach die Notwendigkeit durch die Kombination existierender Schriftzeichen mit teilweise erheblichem Interpretationsspielraum neue Denkweisen und Konzepte schriftlich darzustellen.

Inwiefern der allseits zitierte Krise, Gefahr, Chance Dreiklang wirklich eine Rolle bei der Neuschöpfung dieses Begriffs gespielt hat, darüber kann man heute trefflich spekulieren, angesichts der Entstehungsgeschichte schwindet bei mir allerdings das Gefühl einer bedeutungsschwangeren sprachlichen Weisheit und irgendwie werde ich die Assoziation mit einem Terminator jetzt wohl nie mehr los. 😉

Viel ausführlicher und vor allem professioneller als ich je jemals könnte, ist diese Thematik übrigens in http://xiucai.oai.de/XiuCai/XiuCaiNo36.pdf ab Seite 59 dargestellt.

Konfuzius

Und wo wir schon mal bei bedeutungsschwangeren sprachlichen Weisheiten aus China sind, so ist Konfuzius auch gleich mit im Spiel.

Konfuzius-Zitate. Mittlerweile scheint ja keine Zitatesammlung im Internet ohne sie auszukommen. Gut zu lesen sind sie wirklich, viel Weisheit steckt auch drin, aber ob der gute Kong Zi vor 2500 Jahren auch bereits auf Deutsch nach den deutschen Rechtschreibregeln des 21. Jahrhunderts geschrieben hat? Wenn ja, dann war er seiner Zeit wirklich um einiges voraus!

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Das bisschen Ironie meinerseits bezieht sich keineswegs auf das Wirken und vor allem den Einfluss von Konfuzius. Mich über kulturelle Denkweisen lustig zu machen stünde auch irgendwie im Gegensatz zu all der Zeit, die ich bislang für das Erlernen und das Anwenden der chinesischen Sprache aufgebracht habe oder noch einfacher ausgedrückt, für mein Leben im chinesischen Kulturkreis, für das ich mich vor einigen Jahren selbst entschieden habe.

Aber zurück zum Thema. In Chinesischforen sind mir bereits einige Fragen begegnet, welche die Rückübersetzung von deutschen Konfuziuszitaten ins Chinesische zum Inhalt hatten. Vielleicht stammten diese aus einem Glückskeks, wer weiß das schon so genau…

Das Problem an der ganzen Geschichte und irgendwie so oft mit der chinesischen Sprache ist: Es geht nicht mal eben so!

Es ist schwierig ein wirklich treffenden Vergleich für den Unterschied zwischen dem klassischen Chinesisch der Konfuzius Zeit und dem modernen Hochchinesisch zu finden. Vielleicht ist es mit dem heutigen Stellenwert von Latein gegenüber dem modernen Hochdeutsch vergleichbar, aber Linguisten werden mir dafür jetzt sicherlich einen auf die Mütze geben….

Tatsache ist jedenfalls, dass heute nur noch ein geringer Teil der chinesischen Bevölkerung überhaupt in der Lage ist, eine Konfuziusweisheit im klassischen Original zu verstehen. Die Unterschiede zwischen klassischem Chinesisch und dem modernen Hochchinesisch sind mittlerweile einfach viel zu groß.

Und da frage ich mich dann: Wie kann es dann eigentlich sein, dass es Zitate von Konfuzius zu allen möglichen Lebenslagen auch als perfekt ausformulierte deutsche Übersetzung gibt?

Ich bewundere die Arbeit von Sinologen wirklich sehr und bin wirklich dankbar, dass sie durch ihre Forschungen über die klassische chinesische Literatur so unendlich viel zu einem besseren Verständnis der chinesischen Kultur beigetragen haben.

Umso mehr bin ich jedes Mal erstaunt, wie gewisse Teile dieser kulturprägenden Literatur als eine Art Zitat-Ramschware im Internet feilgeboten werden, wie der Name Konfuzius als weiteres Merkmal einer vermeintlich gegenüber allem anderen tiefgreifenderen Bedeutung (siehe Krise) herhalten muss und wie wenig ein Zitat eigentlich über das Gesamtbild aussagt.

Wenn man sich aus der Konfuzius Zeit überlieferte Texte heute so anschaut, dann erscheint bei vielen der Interpretationsspielraum riesig zu sein. Ich würde gerade noch so weit gehen zu behaupten, dass man die grundlegende Bedeutung mit viel Mühe und Erklärung mit dem modernen chinesischen Wortschatz wiedergeben kann, aber sicherlich nicht mit dem Deutschen. Es fehlen bei der Übertragung in eine vollkommen andere Sprache einfach die Assoziationen, die so sehr den Inhalt des klassischen Chinesisch bestimmen.

Da die Bedeutung auf Deutsch aber natürlich auch gut klingen soll, wird der Aufbau dann einfach irgendwie so umgestellt, dass es am Ende wieder passt, also so eine was nicht passt wird passend gemacht Aktion. Mit einem Konfuziuszitat hat das dann aber meist nur noch wenig zu tun. Ich kenne viele Deutschchinesen, die mit den deutschen Varianten auf den Zitateseiten überhaupt nichts mehr anfangen können, weil sie bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt wurden. (die Zitate wohlgemerkt, nicht die Chinesen!)

Daher sollte man Zitate von Konfuzius und allen anderen bekannten chinesischen Philosophen auf Deutsch (und eigentlich auch auf allen anderen Sprachen als Chinesisch selbst) meiner Meinung nach nur als kleine Hilfe zum selbständigen Verständnis ansehen. Denn praktisch jeder von uns würde bei seiner eigenen Interpretation zu einer anderen Übersetzung gelangen.

Natürlich ist es nie verkehrt ein in sich schlüssiges Zitat an geeigneter Stelle anzubringen. Als Stilmittel ist so etwas hervorragend geeignet. Aber man sollte sich bewusst sein, dass man es auf Deutsch allenfalls mit einem Remix des Originals zu tun hat. So ähnlich wie vielleicht chinesisches Essen in einem deutschen Chinarestaurant, inklusive Glückskeks: sieht zwar immer noch wie Chinesisch aus, schmeckt mehr zuweilen vollkommen anders…