Ein Dankesschreiben

An das Büro für Konsularangelegenheiten
3~5 Stock, 2-2 Chi-Nan-Straße, Abschnitt 1, Taipei , Taiwan, ROC

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute habe ich von Ihnen mein Residenzvisum als Ehegatte einer taiwanischen Staatangehörigen (auch bekannt als: meine Frau) in Empfang nehmen dürfen. Für das Gelingen dieses außerordentlich schwierigen Verwaltungsakts gebührt Ihnen mein vollster Respekt und Anerkennung.

Ich habe Verständnis dafür, dass die Ausstellung eines Visums äußerste Konzentration erfordert und deswegen telefonische oder sogar persönliche Fragen von Ihnen entweder gar nicht oder schlichtweg falsch beantwortet werden. Auch die Tatsache, dass man auf seine Fragen verschiedene und teilweise sich direkt widersprechende Antworten von verschiedenen Personen bekommt, ist Ihnen nicht vorzuwerfen. Eine richtige Antwort war bei dieser Methode nämlich sowieso nicht dabei.

Ihre Taktik, die Visumsbeantragung einem für den Antragsteller mörderischen Dokumentenbeanschaffungsprozess voranzustellen und diesen Prozess durch das geschickte Streuen von Falschinformationen noch weiter zu komplizieren ist wirklich meisterhaft. Am Ende spart Ihnen das eine Menge Arbeit, denn mit dieser Taktik kommen wirklich nur die ganz Harten in Ihren Garten.

Eine Überprüfung der Dokumente erübrigt sich, da niemand so blöd sein und sich die Mühe machen würde so viele Dokumente auf einmal zu fälschen. Die dazu benötigte Stempelfarbe wäre viel zu teuer!

Die Sonderregel, dass alle Dokumente nicht älter als 3 Monate sein dürfen macht auch den größten Penner zum Sprinter. Mein besonderer Dank geht an diesem Punkt auch an alle weiteren, dem Visumsausstellungsprozess beteiligten Stellen, u.a. dem Haushaltsregistrierungsbüro in Taichung, dem Ren Ai Krankenhaus in Taipei, dem Deutschen Institut in Taipei, sowie dem Bundesjustizministerium mit Zweitsitz in Bonn, die es sich in hervorragender Übereinstimmung nicht nehmen ließen, alle beantragten Dokumente zwei Mal ausstellen lassen zu müssen, da die Erstversion jedes Mal fehlerhaft war.

Dass am Ende die bei Ihnen vorgelegten Dokumente auch nicht vollständig den in den Vorschriften geforderten Angaben entsprachen, sei Ihnen hiermit herzlichst verziehen. Es hätte sowieso keiner von Ihnen gemerkt, geschweige denn verstanden, um was es geht. Sie können auch beruhigt sein, dass ich ihr kleines Geheimnis, wie sie mit herkömmlichen Kopiergeräten einen vollen Arbeitsplatz finanzieren, nicht preisgeben werde. Es wäre ja schade, wenn Sie zukünftig auf einen Ihrer hochqualifizierten und in allen, außer natürlich in denen für Ihre Arbeit wichtigen, Belangen kompetenten Mitarbeiter verzichten müssten.

Ich fühle mich geehrt meinen Visumsantrag bei Ihnen als Musterbeispiel einer Top-Regierungsbehörde bearbeitet haben zu lassen müssen. Ihr exzessiv zur Schau getragener Bürokratismus bei gleichzeitig intensiv vorhandener Inkompetenz gepaart mit permanent existierender Arroganz bei der Bearbeitung von Anträgen ausländischer Mitbürger verlangt nach einer besonderen öffentlichen Erwähnung. In der Zukunft werde ich mich bemühen, die von Ihnen praktizierte Arbeitsweise einem breiten Publikum näher zu bringen. Ihre Leistung ist diesen Aufwand auf jeden Fall wert.

Mit freundlichen Grüßen,
Chen De-Sheng

Mitglied des SPD Piratenpartei-Ortsvereins Taipei,
des Deutsch-Taiwanischen Studienkreises,
sowie des 1. FC Taiwansinn e.V.

PS: Weitere Dankesschreiben an das Verkehrsministerium für die Planung garantierter Staus und an das Parlament für die einmal wöchentlich dort stattfindenden Schlägereien werden mit separater Post verschickt.

4 Gedanken zu “Ein Dankesschreiben

  1. Köstlich…..ich habe mich gut amüsiert über dieses Schreiben, doch als ich dann nochmals nachgedacht habe….viel mir auf…..das habe ich ja auch noch vor mir…..aiyo……shit…….

    Gibt mir doch mal die Namen der Beamten wo ich nicht hingehen soll…hahahah lol

    Schönen Gruss ein Deutscher in Taipei……

    PS: DIE SPD IST IN TAIWAN…………echt…nee das is doch ein Witz oder ??

  2. Haha, wunderbar🙂 ist es denn wirklich so verflixt kompliziert… ach verdammt^^

    Hey, darf ich dich was fragen? Wenn ja, ist dein Name wirklich De-Sheng? Wenn ja, dann hast du den gleichen Namen wie mein Bruder🙂 der Grund dafür… weil er in Deutschland geboren wurde haha😉 Zufall?

    • Hallo Dai-Lee,

      ja mein „wirklicher“ chinesische Name ist auch De-Sheng (德生)und der Grund ist, dass ich in Deutschland geboren wurde.😉 Mein Schwiegervater kam vor 8 Jahren auf diesen Namen für mich und ich habe ihn einfach so übernommen. Mittlerweile bin ich auch so ins Melderegister in Taiwan eingetragen, d.h. der Name ist jetzt auch richtig offiziell für mich zugelassen. Schönen Gruß an De-Sheng!🙂

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