Chinesische Medizin

Vor drei Wochen ist mir in Taiwan das passiert, was mir wohl früher oder später einfach mal passieren musste: Ich habe mich so richtig verletzt, so dass ich umfangreiche medizinische Hilfe benötigte. Keine Angst, an mir ist noch alles dran und es ist nichts, über was man sich ernsthaft Sorgen machen müsste, aber ein bisschen nachdenklich macht es schon. Was war passiert?

Am Samstag vor drei Wochen war ich zu einer Studentenabschlussfeier der TaiDa eingeladen, zu der ich von meiner Wohnung aus nach Taipeh fahren wollte. Leider bin ich nicht sehr weit gekommen, da ich gerade mal nach zwei Minuten Fußweg beim Heruntersteigen einer Stufe auf die Straße so unglücklich mit dem Fuß umgeknickt bin, dass im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr ging.

Ich bin derartige Missgeschicke aus meinen noch etwas sportlicheren Zeiten ja noch gewöhnt und so war mir ziemlich schnell klar, dass das leider wohl etwas Größeres sein musste. Ich habe es dann noch irgendwie die zwei Minuten zurück nach Hause geschafft (bis in den 6. Stock) und dann bei Frl. Taiwanoca erst einmal eine kleine Panikreaktion verursacht. Die erste Maßnahme bei so was ist natürlich: EIS. Nun haben wir standardmäßig kein Eis bei uns im Kühlschrank und das einzige, was auf die Schnelle so aufzutreiben war, war nichts geringeres als ein 5kg schwerer Eisbeutel, beinahe so groß wie Frl. Taiwanoca selbst.😉

Das nächste Problem war dann einen geeigneten Arzt bzw. Krankenhaus zu finden, es war Samstag Mittag und die Krankenstation der Uni nicht mehr geöffnet, außerdem würde ich dort sowieso nicht freiwillig hingehen. Im Internet gibt es zum Glück umfassende Informationen über umliegende Arztpraxen und Krankenhäuser und Frl. Taiwanoca hatte auch schon bald einen Arzt für chinesische Medizin in der Nähe gefunden. Chinesische Medizin? Jaja, westliche oder chinesische Medizin, das war jetzt die Frage. Da es mir relativ egal war, wer mir denn nun hilft, solange mir überhaupt geholfen wird, haben wir uns für die chinesische Variante entschieden.

Also vom 6. Stock die Treppe wieder herunter gehumpelt (…und dabei den Hausbesitzer dafür verflucht, keinen Fahrstuhl einbauen zu lassen), ins Taxi rein und zum Arzt gefahren. Zu dumm leider, dass dieser nicht über ein Röntgengerät verfügte, welches wohl auch in der chinesischen Medizin Einzug gehalten hat. Ein solches sollte aber gleich in einer Krankenstation um die Ecke vorhanden sein. Um die Ecke, schön und gut, mit zwei gesunden Füßen ein Kinderspiel, mit nur einem gesunden und einem mittlerweile auf doppelte Größe angeschwollenen zweiten Fuß nicht mehr ganz so erheiternd. Und das Beste: Die Krankenstation hatte zu!

Diese Erkenntnis trug dann nicht gerade zu meiner Erheiterung bei und ließ Frl. Taiwanoca und mich zu der Entscheidung kommen, wohl doch besser in ein normales, nach westlicher Medizin behandelndes Krankenhaus zu fahren. Dort angekommen lief dann alles soweit wie aus Deutschland gewohnt, das heißt erst einmal musste ich warten.😉 Dann ging es ab zum Röntgen und danach zum Arzt, der mir versichern konnte, dass zumindest nichts gebrochen oder gerissen war. Gut zu wissen, allerdings sind Dehnungen und Verstauchungen im Allgemeinen ja noch schmerzhafter als Brüche oder Risse, zumindest ist das meine Erfahrung.

Was es gab war ein Druckverband und ein Rezept für ein paar Tabletten mit dem Hinweis auf PECH: Pause Eis Compression Hochlagern. Somit war erstmal die Erstversorgung abgeschlossen, ungefähr drei Stunden nachdem die Verletzung aufgetreten ist. Es wäre jetzt ungerecht das nach deutschen Maßstäben zu vergleichen, vor allem nicht mit meiner Heimatstadt, wo ich jeden Arzt mit zugehöriger Fachrichtung kenne und sie auch um einige Nummern kleiner ist.

Was in den folgenden Tagen blieb, war die riesige Schwellung des Fußes nebst Schmerzen und absoluter Unfähigkeit den Fuß überhaupt irgendwie bewegen zu können. Schule und Arbeit war damit natürlich ausgeschlossen und nach einiger Diskussion und guten Ratschlägen habe ich mich dann doch nochmals entschlossen es mit chinesischer Medizin zu versuchen. Zitat: „Geht wirklich schneller, nur zwei, drei Tage und du kannst wieder laufen“.

Muss wohl für Ausländer nicht gelten, denn trotz Akupunktur, Reizstrom, Wärmelicht, Dampfbestrahlung, der Einnahme des bittersten Getränks auf Erden, drei Mal täglicher Einnahme eines Pulvers gegen alles und dem schmerzhaften Herumdrücken aller Stellen des Körpers, die wirklich wehtun (…schon mal die Kniescheibe schön rotieren lassen?) hat sich kein durchschlagender Erfolg erzielen lassen. Der Kommentar meines „Physiotherapeuten“: „Man, bei dir ist irgendwie alles kaputt!“

Mag sein, aber bislang konnte ich trotzdem noch ohne Beschwerden aufrecht laufen, was zu diesem Zeitpunkt nicht ging. Wie haben wir schließlich das Problem in den Griff bekommen? Natürlich war unser bester Freund und Helfer, der Apotheker auf der anderen Straßenseite, mal wieder der Retter in der Not. Am Mittwoch, mittlerweile waren 12 Tage vergangen, bekam Frl. Taiwanoca nach Schilderung des Problems sechs kleine Beutel mit jeweils sechs verschiedenen Tabletten, die ich jeweils morgens und abends einzunehmen hatte. Am Donnerstagabend hatte ich das erste Mal wieder ein Gefühl der Kontrolle über meinen Fuß und am Freitagmorgen, oh Wunder, konnte ich wieder auf zwei Beinen stehen und schon wieder etwas herumlaufen!

Ein Teufelszeug muss dieser Pillenmix sein, deswegen hab ich Frl. Taiwanoca losgeschickt und noch mal Nachschub holen lassen. Natürlich waren die Beschwerden nicht schlagartig verschwunden, aber ich konnte wieder einigermaßen laufen und viel wichtiger noch, wieder zur Schule und zur Arbeit gehen, welches ganze zwei Wochen einfach nicht möglich war.

Meine Behandlung nach chinesischer Medizin habe ich dennoch abgeschlossen, da sie für meinen Fuß zwar nicht viel gebracht hat, es meinem Rücken aber dadurch besser ging.😉

Die ganze Aktion hat mal so kurz überschlagen umgerechnet etwa 150 Euro gekostet, also Behandlung und Röntgen im Krankenhaus, Medikamente, Behandlung nach chinesischer Medizin und Transportkosten. Bis auf letzteres werde ich alles von der studentischen Unfallversicherung zurückerstattet bekommen. Als Fazit kann man wohl sagen, dass es schlimmer hätte kommen können, angesichts der Dauer meines Ausfalls hoffe ich aber, dass so etwas nicht so schnell wieder passiert.

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